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Wissenschaft : Millionen-Spritze für Rostocker Forscher

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Europäische Union fördert die Entwicklung von intelligenten Hüftprothesen. Neues Diagnoseverfahren zeigt, wo sich beim Patienten Implantate gelockert haben.

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erstellt am 09.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Ganz nah an der Praxis: „Smarte Hüfte“ heißt ein mit 1,5 Millionen Euro gefördertes EU-Projekt, das ein Forschungslabor der Orthopädischen Klinik an der Universitätsmedizin Rostock eingeworben hat. In den kommenden zwei Jahren arbeiten Wissenschaftler und Industriepartner aus fünf europäischen Ländern gemeinsam an einer intelligenten Hüftprothese. Über ein völlig neues Diagnoseverfahren soll früh und genau erkennbar sein, ob sich ein Implantat im Laufe der Jahre verschoben hat. „Wechseloperationen sind zu 50 bis 70 Prozent notwendig, weil sich beim Patienten das Implantat gelockert hat“, berichtet Projektleiter Dr. Daniel Klüß, der mit Mitstreitern in Rostock am neuen Medizinprodukt tüfteln wird. Das betreffe Hüften, Schultern, Knie – „die großen Gelenke“.

Sensoren in der Endoprothese selbst zu platzieren, sei keine Option gewesen, erzählt der Forscher von den Vorüberlegungen. „Unsere Industriepartner wollten möglichst wenig Veränderung an den bestehenden Produkten.“ Stattdessen platzieren die Rostocker in der Hüftendoprothese eine Kugel, die sich frei schwingend in einem Hohlzylinder befindet. „Das Ganze wird dicht abgeschossen, so dass keine Körperflüssigkeit eindringen kann“, sagt Klüß. Wird nun zur Untersuchung von außen eine Spule an die Hüfte gehalten, entstehe ein höherfrequentes magnetisches Wechselfeld. Die Kugel werde angezogen. „Prallt sie gegen die Implantat-Innenwand, gibt das ein Geräusch.“ Je nachdem, wie das klinge, könne beurteilt werden, wie gut das Implantat eingewachsen sei. „Bisher war eine Lockerung hauptsächlich über Röntgenbilder zu beurteilen, und das sehr schwer“, so der Laborleiter.

Ein Treffen des Projektkonsortiums aus Deutschen, Italienern, Schweizern, Portugiesen und Esten fand kürzlich in Rostock statt. Anfang 2015 müssen die Wissenschaftler in Brüssel vorsprechen – und den Zwischenstand ihrer Arbeiten der Europäischen Kommission präsentieren.

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