Milchbauern sind Opfer im Preiskampf

<strong>Für seine 600 Kühe</strong> hat Harmen Jan Weijs aus Groß Stove Millionen investiert. Nun plagen ihn Existenzängste.<foto>clla</foto>
Für seine 600 Kühe hat Harmen Jan Weijs aus Groß Stove Millionen investiert. Nun plagen ihn Existenzängste.clla

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28. September 2012, 08:24 Uhr

Groß Stove | Harmen Jan Weijs fürchtet um seine Existenz. Der Besitzer des Milchviehbetriebes Groß Stove ist Opfer des Preiskampfes. 40 Cent pro Liter bräuchte er, um überleben zu können. Doch diese Preise wurden zuletzt 2007 gezahlt. "Da konnte ich auch ein paar Rücklagen bilden, doch die habe ich bereits nach dem Preisfall im Jahr darauf komplett aufbrauchen müssen", sagt der Holländer, der 2000 den Kuhstall übernahm und mittlerweile 600 Tiere sowie sechs Angestellte hat.

Im vergangenen Jahr seien die Milchpreise erneut gefallen, liegen jetzt bei 28 Cent. "Noch so ein Jahr schaffe ich nicht", sagt Weijs. "Aufgeben kann ich aber auch nicht, schließlich habe ich erst 2010 Millionen in einen neuen Stall und die Melk-Roboter investiert." Gut 70 Stunden arbeitet er pro Woche, gönnt sich maximal sieben Tage Urlaub pro Jahr. Der 40-Jährige setzt ausschließlich auf Milchgewinnung. Ackerflächen hat er nur zum Futteranbau. Doch was dort wächst, reicht für seine Tiere nicht aus. Deshalb belasten ihn auch die hohen Preise für Futter und die immer weiter steigenden Pachtkosten.

Die Automaten melken bereits rund um die Uhr. "Die Milch läuft von dort in Tanks, wo sie gekühlt und von der Molkerei abgeholt wird - täglich zwischen 7000 und 8000 Liter", sagt Weijs. Er hat seinen Vertrag mit dem Deutschen Milchkontor (DMK) jetzt gekündigt und sich der Milcherzeugergemeinschaft Nordpool Güstrow angeschlossen. "Wir hoffen, dass wir durch die Mengen, die wir dann anbieten können, bessere Preise erzielen", so Weijs. Bisher haben Milchbauern immer erst die Ware liefern müssen und Wochen später erfahren, was sie dafür bekommen. Dieses Verhalten der Molkereien soll bald ein Ende finden. "Es ist schlimm, dass die Markt-Schwankungen ausschließlich bei den Landwirten hängen bleiben", sagt Klaus Zeplien, Vorsitzender des Bauernverbandes Bad Doberan. Im Gegensatz zu den Milch- hätten die Ackerbauern nach dem Hochwasser 2011 ein gutes Jahr mit stabilen Erträgen erlebt und für ihr Getreide sehr gute Preise erzielt. "Aber auch hochpreisige Erlöse haben Schattenseiten - denn auch die Kosten steigen: Pacht- und Kaufpreise für Land, Technik- und Chemiepreise sowie die für Saatgut und Sprit", so Zeplien. Die Folgen seien oft so dramatisch, dass er sich für die Landwirte eher ein halbwegs harmonisch statt sprunghaft verlaufendes Preissystem wünscht. Wichtig sei, vor allem beim Futter unabhängiger von Überseeimporten zu werden, da gerade die Kosten für Sojaschrot unverhältnismäßig stiegen.

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