Compagnie de Comédie : „Mia“ ist geflohen, um zu lernen

Im neuen Klassenzimmertheaterstück von Fabian Ranglack berichtet Lydia Wilke, alias „Mia“, den Schülern eindrucksvoll von ihrer Flucht aus der Heimat und der Ankunft in Deutschland.
Im neuen Klassenzimmertheaterstück von Fabian Ranglack berichtet Lydia Wilke, alias „Mia“, den Schülern eindrucksvoll von ihrer Flucht aus der Heimat und der Ankunft in Deutschland.

Klassenzimmerstück der Compagnie de Comédie feiert Premiere. Fabian Ranglack inszeniert fesselnden Monolog für Lydia Wilke.

svz.de von
31. August 2016, 12:00 Uhr

„Was müsste passieren, damit ihr Deutschland verlasst? Könnt ihr euch etwas so Schlimmes vorstellen?“ Eindringlich fragt Lydia Wilke, alias „Mia“, vor einer schlichten Kulisse ihr Publikum. Das sitzt nur wenige Zentimeter entfernt im Klassenraum. Mit einer Voraufführung hat die Compagnie de Comédie am Montag die Premiere des Klassenzimmertheaterstücks „Mia“ von Nick Wood, inszeniert von Fabian Ranglack, gefeiert.

Voll Wut über das Geschehene erzählt die bestimmte und zugleich unsichere Migrantin Mia den Schülern ab 13 Jahren von ihrem Weg nach Deutschland und ihrer Ankunft in Hamburg. Bestürzt und mit Nachdruck schildert sie, dass sie etwas verloren hat, was sie dringend wiederfinden muss. Dabei vermittelt Lydia Wilke das Gefühl, unfassbar viel erlebt zu haben, was niemand jemals verspüren möchte. Mia ist eine Roma, die mit der Familie aus ihrem Heimatland auf dem Balkan geflohen ist. Vor Gewalt, vor Terror, vor allem aber vor Perspektivlosigkeit. Mia ist ein kluges Mädchen, will studieren, Lehrerin werden. Doch zu Hause ging das nicht. Sie hat ihre Heimat verlassen – und das nicht freiwillig.

Das ehemalige Compagnie-Mitglied Fabian Ranglack hat das 50-minütige Stück während des Urlaubs in Rostock inszeniert – inzwischen arbeitet der 29-Jährige bei den Uckermärkischen Bühnen. Es ist seine erste Klassenzimmerproduktion als Regisseur. Das Besondere: „Man kann nicht schummeln“, sagt er. In der mobilen Variante habe man weder Licht – noch Toneffekte – „alles muss von der Schauspielerin kommen“, so Ranglack. „Die muss reagieren, wenn Zwischenrufe kommen. Und die werden kommen. Schon wenn sie das Wort ,Flüchtling‘ an die Tafel schreibt“, so der Regisseur.

Das Thema ist nicht neu, aber doch aktuell und geht auch an den Jüngsten nicht vorbei. Die Aufführungen in den Klassen sollen Fragen aufwerfen, Diskussionen schüren, die Pädagogen mit den Jugendlichen führen. Die Frage, um die sich alles dreht: Gibt es solche Flüchtlinge und andere? Sind die Angst vor Krieg und Terror bessere Gründe, um das Heimatland zu verlassen, als der Wunsch nach Bildung und einer Zukunft? „Was müsste passieren, damit Sie Deutschland verlassen?“

Das Stück ab 13 Jahren kann in der Bühne 602 angesehen oder als mobiles Theater gebucht werden.

Kontakt unter Telefon: 0381/203 60 84 oder per E-Mail an: info@compagnie-de-comedie.de

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