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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 09:54 Uhr

Meuterei: Prozess gegen Marinesoldaten in Rostock

vom

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2013 | 06:59 Uhr

Rostock | Wegen Meuterei auf dem Schnellboot "Hermelin" müssen sich am 24. September sechs Marinesoldaten vor dem Amtsgericht Rostock verantworten. Den 22 bis 27 Jahre alten Soldaten wird vorgeworfen, im Februar während eines Auslandseinsatzes im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut einen vorgesetzten Bootsmann an einen Tisch gefesselt zu haben. Dann hätten sie ihm mit einem wasserunlöslichen Stift die Bemerkung "Hier wohnen die Mongos" auf den Unterschenkel geschrieben.

Nach Angaben des Amtsgerichts von Montag ist zunächst nur ein Verhandlungstag vorgesehen. Weitere Anklagepunkte lauten auf Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung. Laut Staatsanwaltschaft war die Aktion der Soldaten ein Denkzettel für eine Äußerung des Bootsmanns, die die Untergebenen als beleidigend empfanden. Der Strafrahmen für Meuterei reicht von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. In der Geschichte der Bundesmarine werden damit zum ersten Mal Soldaten wegen Meuterei angeklagt.

Obwohl der angegriffene Bootsmann thailändische Vorfahren hat, gibt es nach Angaben der Ermittler für den Vorfall keinen rassistischen Hintergrund. "Sie wollten dem Bootsmann einen Denkzettel verpassen", hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft kurz nach Erhebung der Anklage erklärt. Das Wort "Mongos" sei an Bord des Schnellboots "inflationär" benutzt worden.

Mitte Februar nahm die 60 Meter lange "Hermelin" an der Beobachtungsmission Unifil im Libanon teil und lag im Hafen von Beirut. 36 Mann gehören zur Normbesatzung der "Hermelin". Als es offenbar darum ging, die Schlafplätze neu einzuteilen, wurde der Bootsmann von einem seiner Vorgesetzten gefragt, ob er den Unterschied zwischen Kammern und Decks an Bord kenne. Darauf antwortete er wohl, in den Kammern wohnten die Offiziere und die höheren Unteroffiziere, und in den Decks die "Mongos". Damit meinte er die übrige Besatzung.

Am selben Abend holten die sechs Beschuldigten den Bootsmann aus seiner Koje. Sie fesselten ihn mit starkem Klebeband auf einen Tisch und beschrieben sein Bein mit dem "Mongo"-Satz. Ein Obermaat fotografierte den Angriff, bevor ein Wachsoldat dem Angegriffenen zur Hilfe kam und den Kapitän alarmierte.

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