"Meteor" beendet 87. Forschungsreise

<strong>Am Ende einer Reise:</strong> Dr. Gregor Rehder ist Fahrleiter der 'Meteor'. <foto>nicp</foto>
Am Ende einer Reise: Dr. Gregor Rehder ist Fahrleiter der "Meteor". nicp

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23. Juli 2012, 10:38 Uhr

Warnemünde | Dreieinhalb Wochen haben 30 Wissenschaftler den zentralen Ostseeraum auf den Verlauf der Blaualgenentwicklung erforscht. Am Wochenende ist diese 87. Forschungsreise der "Meteor" im Auftrag des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zu Ende gegangen. Fahrtleiter Dr. Gregor Rehder ist wieder an Land mit neuen Erkenntnissen zur umstrittenen Blaualge. "Was wir gelernt haben, ist, dass stärkere Windereignisse eine in der Entwicklung befindliche Blaualge daran hindern, sich auszubreiten", sagt Rehder. Der Sommer ist erstaunlich kühl, somit auch das Wasser und zudem sei der Wind stark, sagt Rehder. Wohl deswegen fanden die Forscher in der zentralen Ostsee keinen riesigen Blaualgenteppich vor.

Bakterium ist weniger gefährlich und vom Wind abhängig

"Es gibt Jahre, da sind die Blaualgen sehr ausgeprägt, und dann wieder Jahre, in denen das überhaupt nicht so ist. Warum, ist eben noch nicht völlig klar", sagt der Fahrleiter. Die Reise habe viele Erkenntnisse zu den Bedingungen der Ausbreitung der Blaualgen gebracht, sagt Rehder, etwa den Wind als wichtigen Faktor herauskristallisiert. Blaualgen gelten als giftig. Immer wieder kommen Horrormeldungen über ihre angeblich zu starke Ausbreitung - Panikmache, wie Rehder findet. Denn in einer geringen Konzentration seien Blaualgen für einen gesunden Menschen ungefährlich. Von mehreren tausend Arten sind nur etwa 40 giftig und auch die nicht alle in gleichem Maße. Die Blaualgen sind auch eigentlich keine Algen, sondern Cyanobakterien. "Sie waren erdgeschichtlich für die Entstehung unserer Atmosphäre sehr wichtig", sagt Rehder. Sie zu erforschen, bringt Informationen über ihre Ausbreitungsbedingungen, was auch Relevanz für Badegäste hat, und erklärt die Auswirkungen einer ihrer besonderen Fähigkeiten. Denn anders als die meisten Organismen können sie Stickstoff, den sie zum Wachsen benötigen, selbst aus der Luft beziehen und umwandeln. Dadurch reichern sie das ohnehin schon überdüngte Ökosystem Ostsee mit noch mehr Nährstoffen an. Wenn die Algen absterben, sinken sie auf den Boden und steigern dort den Sauerstoffmangel. Durch ihre umfangreiche Blüte wird dieses generelle Problem der Ostsee, der hohe Schwefelwasserstoffgehalt in den Bodenschichten, noch verschärft. Das wirkt sich wiederum auf Tiere und Pflanzen der unteren Bodenschichten aus.

Mit einem bunten Team aus erfahrenen Wissenschaftlern, Bachelor-Studenten, Doktoranden und Technikern wurde die Blaualgen weiter erkundet. "Leute von uns forschen schon mehr als 20 Jahre an dem Thema", sagt Rehder. Auf der Exkursion haben sie neun Tage in der zentralen Ostsee, nahe Gotland, festgemacht. "Wir haben das Schiff als schwimmendes Labor benutzt", sagt Rehder. Dabei wurden Biomasse und Stickstofffixierungen ermittelt. Ein Stamm-Schiff des IOW, die "Elisabeth Mann Borgese", hat rund um die "Meteor" physikalische Daten erhoben. "Wir haben viel gelernt über das Wechselspiel von Physik und Biologie", sagt der Fahrtleiter. So seien unter anderem neue Ansatzpunkte gefunden worden. Die gesamte Auswertung der Reise wird erst in zwei Jahren vorliegen. Einzelne Projektergebnisse sollen schon vorher publiziert werden.

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