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Tarifverhandlungen in Rostock : Metaller gehen auf die Barrikaden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zähe Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. 3000 Beschäftigte wollen fünf Prozent mehr Lohn.

Stellvertretend für rund 3000 Beschäftigte in Rostock sind gestern Gewerkschaftsmitglieder der IG Metall mit leeren Schubkarren bei der Firma Sear in Schmarl aufgeschlagen. Denn deren Geschäftsführer Thomas Lambusch ist auch Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Nordmetall und dieser befindet sich derzeit in zähen Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft. Drei Tarifrunden haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. „Wir wollen mit den Schubkarren symbolisch unser Geld abholen“, sagt Stefan Schad, Geschäftsführer der IG Metall Rostock-Schwerin.

Die Forderung der Gewerkschaft: jährlich fünf Prozent mehr Lohn. Das derzeitige Angebot von Nordmetall: 2,1 Prozent mehr Lohn, verteilt auf zwei Jahre, dazu eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent. „Mit 2,4 Prozent können wir nicht zufrieden sein“, betont Schad. „Da kommt zu wenig von den Arbeitgebern. In der Vergangenheit konnten wir uns auf gute Tarifverträge einigen. Aber so ein schlechtes Angebot hatten wir noch nie.“

Hinzu käme eine von Nordmetall offen gelegte Statistik, in der von einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 51 000 Euro in der Metall- und Elektroindustrie Mecklenburg-Vorpommerns die Rede sei. „Die Realität ist eine andere. Ein Metaller mit dreijähriger Berufserfahrung bekommt durchschnittlich 35 000 Euro im Jahr. Wir haben keine 51 000 Euro, würden sie aber gerne mitnehmen“, so Schad.

Nordmetall bleibt derweil standhaft. „Am Ende wird bei den Tarifverhandlungen etwas rauskommen, dass beide Verhandlungsseiten schmerzt. Aber nur das ist ein Kompromiss“, sagt Lambusch. „Unterm Strich haben wir das gleiche Ziel: erfolgreiche Unternehmen und zufriedene Mitarbeiter.“

Einen flächendeckenden Streik wolle niemand. Der wirtschaftliche Schaden sei bei einer vollständigen Arbeitsniederlegung zu groß, betont er. Mit umso größeren Erwartungen blickt Lambusch nach Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Am 11. und 12. Mai gehen dort die Tarifverhandlungen weiter. Wird dort kein gemeinsamer Nenner gefunden, drohen Ganztagsstreiks. „Dann stehen die Betriebe still“, erklärt Schad. Ein Druckmittel, zu dem im Zweifel auch die Metaller an der Küste greifen. „Wie weit die Bereitschaft der Arbeitgeber geht, die Streiks hinzunehmen, und wer tatsächlich streikt, wird sich dann erst zeigen“, entgegnet Lambusch und deutet zugleich darauf hin, dass es der Branche bald viel schlechter gehen könnte. „Im Vergleich zu anderen Nationen sind die Arbeitskosten sehr hoch. Wir bezahlen für eine Arbeitsstunde 37 Euro, in Polen sind es lediglich sieben Euro. Qualitätsunterschiede gibt es kaum. Damit droht die Gefahr der Produktionsverlagerung ins Ausland.“

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erstellt am 03.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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