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Rostock: Urteil gefallen : Metall-Diebe müssen in den Knast

vom

Die Buntmetall-Bande wandert hinter Gitter. Das Landgericht verurteilte gestern vier der sechs Angeklagten zu Haftstrafen wegen schweren Bandendiebstahls. Die anderen zwei erhielten wegen Beihilfe Bewährungsstrafen.

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2012 | 07:51 Uhr

Rostock | Die Buntmetall-Bande wandert hinter Gitter: Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte gestern die Rostocker Frank L. (31) und Christian O. (30) zu Haftstrafen von zwei Jahren und elf Monaten sowie Sandy L. (35) zu zwei Jahren Haft - wegen schweren Bandendiebstahls. Der Bosnier Sadik K. (52) muss ebenfalls für zwei Jahre und elf Monate hinter Gitter. Das Gericht sprach ihn der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei in neun Fällen schuldig. Sein Sohn Senaid H. (25) und der Kroate Mario V. (30) erhielten wegen Beihilfe Bewährungsstrafen von einem Jahr und zehn Monaten beziehungsweise eineinhalb Jahren.

Die Angeklagten wurden des Buntmetalldiebstahls im großen Stil für schuldig befunden. Sie stahlen in der Zeit von Herbst 2009 bis März 2011 tonnenweise Kupferkabel aus Betrieben in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Der Wert ihrer Beute lag bei 357 000 Euro. Dabei gingen die Beteiligten arbeitsteilig vor. Die Rostocker waren für die Diebstähle verantwortlich. Sie mieteten Lkw an und brachen in Nacht-und Nebel-Aktionen in metallverarbeitenden Betrieben ein, zum Beispiel bei Nordic-Werft in Warnemünde, bei Nordex oder auch in Hallen der Deutschen Bahn.

Der Gerüstbauer Christian O. nutzte dazu seine Geländekenntnisse. Nachts transportierten die Rostocker ihre Beute nach Kavelstorf, wo Senaid H. eine Halle angemietet hatte. Hier wurden die Kupferkabel versandfertig gemacht und anschließend nach Breesen zum Schrotthändler Sadik K. gefahren, der die Ware über extra gegründete Scheinfirmen versilberte, indem er die Buntmetalle weiter an Interseroh in Schwerin verkaufte. Ein hoher logistischer Aufwand sei betrieben worden, um das Diebesgut gewinnbringend zu veräußern, so das Gericht.

Die Angeklagten arbeiteten mit einer ausgesprochenen "Kaltschnäuzigkeit und einer hohen Potenz an krimineller Energie", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Einzig der Gewinn war ihnen wichtig. So verbrannten sie die nicht mehr benötigten Kabeltrommeln im ländlichen Raum, ohne einen Gedanken an die Umweltschäden zu verschwenden. In ihren Geständnissen setzten die Angeklagten alles daran, nicht als Bande zu gelten, für die mindestens drei Personen von Nöten sind. Das Gericht ließ sich davon nicht beeindrucken. Es wies auch die Darlegung zurück, dass sie kaum Gewinn, sondern nur "Almosen" erzielt hätten. Ebenso wenig stießen die Ausführung der Verteidiger auf Gehör, die Senaid H. als jüngsten Sohn von Sadik K. als Familientrottel hingestellt wurde, der nur die Worte des Vaters befolgte. Zu Gunsten der Angeklagten bewertete das Gericht neben den Geständnissen die sechs Monate der Untersuchungshaft und dass alle Täter außer Sandy L. nicht vorbestraft sind.

Sadik K. zeigte Wiedergutmachungswillen, indem er auf die 55 000 Euro Bargeld, die in seinem Banksafe gefunden wurden, verzichtete. Der hohe Schaden, den sie angerichtet haben, fiel strafverschärfend aus. Ein Mann fehlte auf der Anklagebank - der ältere Sohn von Sadik K., der vor der großen Razzia die Flucht ergriffen hatte.

Der Vater lebt mit seiner Familie seit 1991 in Deutschland. Seine Schrotthandelsfirma betrieb er mit seinen beiden Söhnen. Mario V. ist Glaser von Beruf. Er will jetzt heiraten und in Deutschland bleiben. Frank L. ist eigentlich Fliesenleger, wechselte dann zur Allianz-Versicherung und ging später auch in den Schrotthandel. Sandy L. ist Koch. Gegen das moderate Urteil, wie der Staatsanwalt es bezeichnete, kann trotz gerichtlicher Vorabsprache Revision eingelegt werden.

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