Die Maschinen Kommen : Messtechnik ersetzt Beobachter

Bis vor kurzem war der Arbeitsplatz von Rudolf Kemnitz noch die Wetterwarte in der Warnemünder Seestraße, wo er die Messtrechnik auf dem Dach kontrolliert. Jetzt ist er in Greifswald tätig.
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Bis vor kurzem war der Arbeitsplatz von Rudolf Kemnitz noch die Wetterwarte in der Warnemünder Seestraße, wo er die Messtrechnik auf dem Dach kontrolliert. Jetzt ist er in Greifswald tätig.

Wetterwarte Warnemünde baut zum Jahresende ihr Personal ab. Für Radioaktivitätsüberwachung bleiben vorerst noch zwei Leute

svz.de von
14. Juni 2016, 12:00 Uhr

Ende des Jahres wartet auf die Meteorologen der Warnemünder Wetterwarte ein Schlussstrich. Dann übernehmen in der Station Seestraße 15a vollautomatische Messgeräte und Sensoren die Arbeit des Fachpersonals. Nur zwei von sechs Leuten bleiben. Damit endet an dem Standort eine 70-jährige Ära. Seit 1. Juli 1946 gibt es hier lückenlose Wetteraufzeichnungen. Auch das ist dann Geschichte.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) baut überall Personal ab, jetzt ist Warnemünde betroffen. Am 1. Januar kommenden Jahres beginnt hier eine neue Zeitrechnung. „Wir sind dabei, fair verträgliche Lösungen für die Mitarbeiter zu erarbeiten“, sagt der ehemalige Leiter Rudolf Kemnitz. Er selbst pendelt zwischen seinem hiesigen Lebensmittelpunkt und Greifswald, in deren Wetterstation er seit kurzem arbeitet. Seit 1980 versah der Meteorologe in Warnemünde seinen Dienst, seit 1987 als Leiter. Anfangs war er beim Meteorologischen Dienst der DDR tätig, der am 3. Oktober 1990 vom Deutschen Wetterdienst (DWD) übernommen wurde. Der Klimadienst wurde bereits 2002 eingestellt. Auch der Nachtdienst wird in naher Zukunft wegrationalisiert. Eine fachliche Alternative für die Betroffenen ist ein Wechsel an andere Niederlassungen oder Telearbeit. Das betrifft das Digitalisieren historischer Daten, die im vorherigen Jahrhundert zum Beispiel in den deutschen Kolonien in Asien aufgezeichnet wurden und nur in Schriftform vorliegen. „Das hat einen Bezug zum Wetter und erfordert Fachverstand und Wissen“, sagt Kemnitz.

Die Messgeräte bleiben auf dem Dach der Wetterwarte Warnemünde. Deren Wartung fällt in den Bereich der übrigen zwei Kollegen. Die sind außerdem für die Radioaktivitätsüberwachung zuständig“, sagt Kemnitz. Dort wird die Belastung mit Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag gemessen. Perspektivisch soll auch das automatisiert werden.

Selbst wenn Skeptiker befürchten, dass die Beobachtung nicht komplett zu ersetzen ist, so sagt Kemnitz: „Für jede benötigte Messung gibt es Sensoren, die online angebunden sind.“ Die hochaufgelösten Daten werden sofort in den Zentralrechner des DWD in Offenbach gespeist. Was erhalten bleibt, ist das Dünenmessfeld an der Promenade. „Es ist das einzige seiner Art an der deutschen Ostseeküste.“ Dort und hinter dem Haus Seestraße werden meteorologische Parameter wie Temperatur, Feuchte und Windgeschwindigkeit gemessen.


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