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22. November 2017 | 03:03 Uhr

Messerstecher vom Mühlendamm muss ins Gefängnis

vom

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erstellt am 28.Feb.2012 | 09:51 Uhr

Rostock | Vier Jahre und drei Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt - so lautete gestern das Urteil des Landgerichts gegen den Rostocker Fernfahrer Frank Günter M. (40). Die dritte Große Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in der Nacht des 30. August 2011 seinen Freund Heinz R. (30) mit einem langen Küchenmesser schwer verletzte.

Es war gegen 23.30 Uhr, als der stark blutende Heinz R. die Pizzeria in der Nähe seiner Wohnung am Mühlendamm erreichte. Wenige Sekunden später brach er zusammen. Die sofort herbeigerufene medizinische Hilfe und die Polizei sorgten dafür, dass er ins Krankenhaus kam. Ein Messerstich mit einer 17 Zentimeter langen Klinge in den Oberbauch des Opfers hatte zu Darmverletzungen geführt. Eine Notoperation war erforderlich, um dem 30-Jährigen das Leben zu erhalten. Der Angeklagte saß noch in der Wohnung seines Freundes, als die Polizei erschien. Er ließ sich bereitwillig festnehmen und sagte nur: "Was habe ich wieder gemacht. So ein Scheiß. Dafür gehe ich wieder ab."

Frank M. hatte den Betonbauer Heinz R. über dessen älteren Bruder Axel (33) kennengelernt. Alle drei sind starke Alkoholiker. Frank M. trinkt fast täglich seit seinem 16. Lebensjahr. Am Tattag besuchte er seinen Freund am Mühlendamm. Er brachte Getränke mit und als die zur Neige gingen, holte er aus dem nahen Getränkemarkt Nachschub. Zu Streitigkeiten kam es, als Axel R. auftauchte und von seinem Bruder einen Kredit über 1500 Euro für einen Autokauf erbat. Der lehnte ab.

Bruder schlug die Waffe weg, Opfer konnte fliehen

Während der Auseinandersetzungen tranken sie "Pfeffi" aus Tassen und Unmengen Bier. Heinz R. hatte gerade eine Leistenbruchoperation überstanden und als ihm alles zu viel wurde, forderte er seine Gäste auf, die Wohnung zu verlassen. Der Angeklagte trat plötzlich mit dem Küchenmesser auf Heinz R. zu, sagte, "Mit mir nicht", und stach ihm in den Oberbauch. Bruder Axel, der das mitbekam, schlug dem Angeklagten das Messer aus der Hand. So konnte das Opfer fliehen. Der Vorsitzende Richter fasste das dramatische Geschehen mit den Worten zusammen: "Drei Männer saufen, kriegen Streit und stechen zu." Eine Stunde nach der Tat betrug der Blutalkoholspiegel des Angeklagten noch 4,17 Promille. Der behandelnde Arzt und der festnehmende Kriminalist konnten trotzdem keine Ausfallerscheinungen bestätigen. Das sei bei alkoholgewöhnten Menschen keine Seltenheit, so die Sachverständigen. Der Angeklagte hätte zu jeder Zeit das Unrecht seiner Tat einsehen können. Allerdings sei eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit möglich. Die Gutachter warnten vor weiteren schweren Straftaten, wenn der Angeklagte nicht behandelt würde.

Die dritte Große Strafkammer folgte ihren Hinweisen. Eine Tötungsabsicht vermochte sie nicht zu erkennen, ebenso sei auch der eigentliche Beweggrund der Tat nicht gefunden worden. Das Gericht wertete das Geständnis des Angeklagten sowie seine erkennbare Reue als strafmildernd. Die 14 Vorstrafen rechnete es allerdings als strafverschärfend an.

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