zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:16 Uhr

Rostock : Meistermaler und Denker

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kunsthalle zeigt Werke der Leipziger Werner Tübke und Michael Triegel

Es gibt die Kunst des Konzeptes und die des Handwerkes, befindet Dr. Richard Hüttel. Seit etwa 100 Jahren würden beide Formen getrennt. Die Konzeptkunst sei die häufigste. Es werden „leere Rahmen“ oder „ein Stück Filz auf Leinwand“ ausgestellt, sagt Hüttel. Die Werke zweier Leipziger Künstler, Werner Tübke (1929-2004) und Michael Triegel (*1968), würden mit dieser Tradition brechen. „Bei ihnen finden sich beide Konzepte vereint“, sagt Hüttel. Er hat eine Ausstellung mit rund 80 Gemälden und Zeichnungen der Meister in der Rostocker Kunsthalle kuratiert.

Sie wirken auf den ersten Blick wie die Kunst des 16. Jahrhunderts. Sie zeigen Szenen von Kreuzigungen, Bauerntänzen, Themen des alten Testaments, der politischen Geschichte oder klassische Portraits und Stillleben. Doch sie gehen weit darüber hinaus. Kunst werde oft als linear dargestellt, sagt Triegel. Doch das sei sie nicht. „Es ist doch das Interessante, wie sie sich immer wieder verknüpft“, sagt der Leipziger. Wenn Triegel das Jesuskind zeigt, zeigt er es nicht nur, er verwandelt es. Er nutzt es als Metapher, kombiniert es mit Elementen der Kunst anderer Epochen – „bis hin zum Surrealismus“, sagt der Künstler selbst. „Adam und Eva im Paradies“ liegen eigentlich vor einer Steinmauer. Dem „Abendmahl“ fehlt das Essen auf dem Tisch, Jesus das Gesicht und das Tischtuch ist schlecht gebügelt.

Für seine Kunst wurde Triegel auch kritisiert, ehe sie durch bedeutende Auftragsarbeiten wie das Portrait Papst Benedikt XVI. geadelt und international anerkannt wurde. „Es hieß oft ,so könne man nicht mehr malen’“, sagt Triegel. „Aber ich setze mich ja nicht an den Schreibtisch und denke mir ,was koche ich heute’.“ Es sei einfach sein Stil, seine Kunst. Statt mit Marx hatte er sich als Schüler zu DDR-Zeiten mit der Bibel und Schopenhauer beschäftigt. In Tübke hatte Triegel einen Gleichgesinnten. Die DDR lehnte seine Kunst zunächst ab, Italien entdeckte ihn und Tübke gelangte zu Ruhm – vor allem für sein „Bauernkriegspanorama“. Er schuf damit kein schlichtes Schlachtengemälde, sondern setzte sich historisch-philosophisch mit seinem Motiv auseinander, wie es auch Triegel tut. „Er ist ein Meistermaler und ein Meisterdenker“, sagt Hüttel. Auch wenn die Vermutung naheliegt, war der 46-jährige Triegel nie Schüler Tübkes, der im Juli 85 Jahre alt geworden wäre. „Wir haben uns ein paar Mal getroffen“, sagt Triegel, „er kam zu einigen meiner Ausstellungen.“ Sie sprachen auch über Italien, Rom und sein besonderes Licht. Als Tübke einen Auftrag angeboten bekam, selbst aber nicht mehr feinmotorisch genug war, schlug er Triegel dafür vor. Es war dessen erster kirchlicher Auftrag – die Neugestaltung der Predella für einen Schnitzaltar in einer Kapelle bei Hannover. „Drei Tage nach Tübkes Tod wurde der Altar geweiht“, erzählt Triegel. Tübkes Tradition fortzuführen und die gemeinsame Ausstellung seien ihm eine Ehre, sagt Triegel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen