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Petra Vaillant kann es nicht fassen : Mein Chef, der Kinderschänder

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Ihr Arbeitgeber, ein Verbrecher - verurteilt, schuldig, auf der Flucht? Petra Vaillant kann das alles kaum glauben. Sie schaut zum Restaurant Mustang Bar in Useriner Mühle hinüber.

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erstellt am 16.Nov.2011 | 08:07 Uhr

Userin | Ihr Arbeitgeber, ein Verbrecher - verurteilt, schuldig, auf der Flucht? Petra Vaillant kann das alles kaum glauben. Sie schaut zum Restaurant Mustang Bar in Useriner Mühle (Mecklenburgische Seenplatte) hinüber. Still liegt das Gebäude am See. Die Fenster sind mit Decken abgehängt. Es ist kalt und still, nur ein paar Vögel zwitschern. Im Sandkasten vor dem Haus liegen ein paar Spielzeuge. "Geöffnet sieben Tage die Woche, 11 bis 23 Uhr", steht auf einem gelben Schild.

Vier Jahre lang arbeitete die 49-Jährige hier. Die Gaststätte am See lief gut, sie kam immer gern hierher, sagt sie. Nichts deutete darauf hin, dass mit ihrem Chef irgendetwas nicht stimmen könnte. "Im Gegenteil, er war ein sympathischer und zurückhaltender Mann", sagt sie.

Doch nun sitzt dieser unscheinbare Mann im Gefängnis, seine Frau und sein Sohn sind verschwunden. Die Geschichte der Flucht klingt filmreif. Vor elf Jahren klagte der Pima County Superior Court in Tucson (Bundesstaat Arizona) Markus H. wegen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger an. Der Vorwurf der US-Justiz: Markus H. soll sich immer wieder an seiner Tochter vergangen haben. 15 Jahre lang, zum ersten Mal, als sie erst drei Jahre alt war. Gegen eine Kaution blieb der Angeklagte aber auf freiem Fuß. Ein Fehler, denn der damals 38-Jährige setzte sich zusammen mit seiner amerikanischen Ehefrau und seinem Sohn vor Prozessende nach Deutschland ab, um seiner Strafe zu entgehen.

Nach Deutschland hatte H. Verbindungen. Er sei in Konstanz geboren, habe seine Kindheit in den USA verbracht, sagte H. immer wieder. "Er spricht akzentfrei Deutsch, deshalb war für mich immer klar, dass er ein Deutscher ist", erinnert sich Vaillant. Seine Frau habe hingegen nur Englisch gesprochen. "Gewundert habe ich mich nur, dass er immer ein ziemliches Geheimnis aus seinem Geburtsdatum gemacht hat", sagt Vaillant. Offenbar machte sich H. zehn Jahre jünger, um seine wahre Identität zu verschleiern. Nach seiner Flucht befand das Gericht H. für schuldig. Ein Strafmaß legte das Gericht allerdings noch nicht fest. Laut US-Staatsanwaltschaft könnten ihm 13 bis 27 Jahre Gefängnis bevorstehen.

Dass LKA-Zielfahnder H. aufspüren und festnehmen konnten, ist offenbar ausgerechnet Verdienst der heute 29-jährigen Tochter des Festgenommenen. Heather Orr spürte ihrem Vater nach dessen Flucht jahrelang hinterher. Schließlich fand sie seinen Namen auf der Internetseite der Mustang Bar. "Kein Kind soll das erleben müssen, was ich erleben musste", sagte Orr gegenüber der US-Zeitung Arizona Daily Star. Sie wolle andere Familien vor ihrem Vater schützen. Genau das sei ihre Motivation gewesen, ihren Vater ausfindig zu machen.

Doch ob die deutschen Behörden H. überhaupt an die Vereinigten Staaten ausliefern werden, steht noch in den Sternen. Sollte der Mann wirklich deutscher Staatsbürger sein, dann ist es um eine Auslieferung schlecht bestellt. "Für deutsche Staatsbürger gibt es einen Auslieferungsschutz", sagt Olaf Juterzenka von der Rostocker Generalstaatsanwaltschaft. Der Oberstaatsanwalt räumt aber ein, dass es grundsätzlich möglich sei, Anklage gegen einen Deutschen wegen im Ausland begangener Straftaten zu erheben.

Viele Nachbarn des Mannes jedenfalls hoffen, dass dieser nicht allzu schnell wieder auf freien Fuß kommt. "Er hatte von Anfang an ein arrogantes Auftreten und soll sich hier bloß nicht mehr blicken lassen", sagt Frank Tesch. Er wohnt gegenüber dem Haus, in dem Markus H. zuletzt zusammen mit seiner Familie lebte. Wie Tesch denken viele in Useriner Mühle.

Ein Blick auf die Internetseite der Mustang Bar lässt nicht nur den Nachbarn das Blut in den Adern gefrieren. Denn hier wirbt die Familie ausgerechnet mit Veranstaltungen für Kinder. Kinderfest, Piratenfest, Sommerfest - demnächst wird es diese Feste in Useriner Mühle wohl nicht mehr geben. Jedenfalls nicht unter der Regie von Markus H.

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