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22. November 2017 | 21:37 Uhr

Mein Auto ist dein Auto

vom

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erstellt am 09.Apr.2013 | 06:05 Uhr

Rostock | Ein Leben ohne Auto - das kann sich Anne Schenka nicht vorstellen. Zu groß ihr Bedürfnis nach Flexibilität. Doch weil die 29-Jährige ihren Wagen lange Zeit von Montag bis Freitag überhaupt nicht nutzte, entschied sie sich 2011, ihn auch anderen Rostockern zur Verfügung zu stellen. Dafür meldete sie sich bei Tamyca - "Take my Car" - an, einem Internetportal für privates Carsharing. "Ich finde die Idee nett, sich in der Nachbarschaft gegenseitig zu unterstützen und Sachen zu teilen, die man nicht permanent braucht", sagt sie. Außerdem habe sie auf diesem Weg auch etwas Geld reinbekommen, um die Unterhaltskosten für das Auto zu decken. "Das ist eine gute Sache."

Anne Schenka ist eine von zwölf Rostockern, die ihren Wagen bei Tamyca eingestellt haben. Deutschlandweit sind es 3000. Dem gegenüber stehen 80 Nutzer in Rostock und 25 000 in ganz Deutschland. "Die Nachfrage nach privatem Carsharing steigt", sagt Celine Jungbluth, Sprecherin von Tamyca. "Ständig kommen neue Nutzer hinzu." Ziel des Portals ist es, private Autobesitzer mit Menschen zusammenzubringen, die kein eigenes Auto haben. Vom kleinen Smart über das coole Mini Cabrio bis zum soliden VW-Passat steht den Nutzern eine große Auswahl an Autos zur Verfügung.

Mietwagen für Einkauf, Umzug oder Urlaub

Meist sind die Wagen, die bei Tamyca angeboten werden, schon etwas älter. Diese Erfahrung hat Robert Neumann gemacht, der dort bereits seit 2011 angemeldet ist. "Es wird wohl keiner seinen neuen Porsche zur Verfügung stellen", sagt der 27-Jährige, dem das Angebot dennoch gefällt. Einmal hat er sich ein Auto gemietet, um einen Kühlschrank aus Hamburg abzuholen. Und auch einen Großeinkauf bei Ikea konnte er auf diesem Weg für wenig Geld realisieren. Abgesichert sind Mieter und Vermieter durch eine spezielle Versicherung. "Ich bin ziemlich begeistert", sagt der Rostocker, der aus Kostengründen selbst kein Auto besitzt.

Bislang waren es nur Männer, die sich den Passat von Anne Schenka ausgeliehen haben. Einer wollte mit dem Kombi einen Schrank transportieren, ein anderer einen ganzen Umzug absolvieren, erinnert sie sich. Auch Urlaubsanfragen hatte die Sozialpädagogin viele. Von Leuten, die mit ihrem Wagen für zwei bis drei Wochen nach Osteuropa reisen wollten zum Beispiel. Doch da hat sie abgesagt. "Das war mir zu unsicher", sagt Anne Schenka. "Ich weiß nicht, wie andere das Auto behandeln." Außerdem fresse eine solche Reise ja doch etliche Kilometer. Und auch die Abnutzung müsse einberechnet werden.

Max Klaus Struwe gehört nicht zu den typischen Tamyca-Nutzern. Er besitzt nämlich ein eigenes Fahrzeug, einen VW-Bus. Dennoch meldete sich der Rostocker 2012 auf der Internetplattform an und mietete sich ein Auto - für den einwöchigen Urlaub in Süddeutschland. "Unser eigenes ist laut und unbequem. Ich nutze es nicht gern für längere Strecken", sagt der 59-Jährige. Bräuchte er den Kleintransporter nicht beruflich, hätte er ihn längst abgeschafft. "Es muss nicht jeder ein Auto haben", sagt Struwe, der privat meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Dass es Carsharing-Angebote wie Tamyca gibt, hält er deshalb für eine "ganz ganz gute Sache".

Zwei Lachsforellen als Dankeschön

Auch Anne Schenka ist überzeugt von dem Konzept des Autoteilens, obwohl ihre Mitgliedschaft derzeit ruht. Die 29-Jährige ist gerade in Elternzeit und braucht ihren Wagen selbst. Mit den Mietern, denen sie ihren Kombi in den vergangenen Jahren anvertraute, hat die junge Mutter nur positive Erfahrungen gemacht. "Die Leute waren dankbar und haben sich viel Mühe gegeben", sagt sie. Zum Beispiel hat einer das Auto vor der Rückgabe nochmal gewaschen. Ein anderer, der mit dem Wagen im Angel-Urlaub war, brachte der Rostockerin zwei riesige Lachsforellen mit. Auch deshalb kann sie privates Carsharing nur weiterempfehlen.

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