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Mehr als 1000 Neubrandenburger Männer haben Speichelproben abgegeben

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erstellt am 30.Mär.2012 | 08:49 Uhr

Neubrandenburg | Immer dann, wenn es um die Aufklärung von Gewaltverbrechen, Mord, Totschlag sowie Sexualstraftaten geht, nutzt die Polizei auch Möglichkeiten des Gentests. Doch ein solcher Massen -Gentest wie er in dieser Woche in Neubrandenburg begonnen hat, kam in der Geschichte des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern (LKA) bisher nur fünfmal vor. Etwa 9000 Viertorestädter im Alter zwischen 50 und 70 Jahren sind aufgerufen, sich einem freiwilligen Test zu unterziehen. Die Polizei hofft damit, das schwere Tötungsverbrechen an einer Frau aufklären zu können.

Jährlich werden in MV in etwa 2500 Ermittlungsverfahren etwa 8400 molekulargenetische Untersuchungen durchgeführt, so LKA-Sprecher Michael Schuldt. Wie viele Täter wirklich durch Gentests überführt werden konnten, darüber führt das LKA keine Statistik.Untersuchungen wie diese gerade in Neubrandenburg laufenden sind im Strafprozessrecht geregelt. Man greife immer dann zu solchen doch außergewöhnlichen Aufklärungsmethoden, wenn es um die Aufklärung von schweren Gewaltverbrechen gehe. Die Kosten für eine zu untersuchende Probe belaufen sich derzeit auf unter 20 Euro. Allein der Massentest in Neubrandenburg kostet den Steuerzahler so etwa 180 000 Euro. Ganz zu schweigen von den Kosten für die aufwendige Suche nach den Leichenteilen am Tollensesee und am Mühlenteich.

Die bisherigen vier sogenannten Massen-Gentests führten in zwei Fällen zur Ermittlung des Täters. Die Ermittlungsmethode der molekulargenetischen Untersuchung führe jedoch auch außerhalb solcher Massentests regelmäßig zur Tataufklärung und Täterermittlung, so Schuldt. Der wissenschaftliche Fortschritt ermögliche aus technischer Sicht die Untersuchung einer stetig steigenden Anzahl entsprechender Proben in automatisierten Abläufen.

Die Speichelproben und die festgestellten DNA-Muster würden unverzüglich vernichtet bzw. gelöscht, sobald sie zur Aufklärung des Verbrechens nicht mehr erforderlich sind, betont Schuldt. Der von einem solchen Test betroffene Personenkreis orientiere sich am Stand der Ermittlungen. Überlegungen zur möglichen Erweiterung des Personenkreises würden im Zuge der Ermittlungen angestellt.

Der LKA-Sprecher betonte, dass ein solcher Test absolut freiwillig sei, die Testpersonen würden darüber sowie über den Verbleib ihrer Körperzellen sowie des festgestellten DNA-Identifizierungsmusters belehrt. Demnach könne die Verweigerung nicht zur Entnahme unter Zwang führen. Vielmehr ließen sich für die Polizei aus dem Ergebnis eines sogenannten Massen-Gentests neue Ermittlungsansätze ableiten.

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