zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 10:53 Uhr

Mediziner als Patienten

vom

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2007 | 07:11 Uhr

Dass Ärzte Schmerzen haben, will der Patient selten wahrhaben. Er gönnt dem Mediziner seines Vertrauens notgedrungen ein paar Wochen Urlaub im Jahr und versucht, krampfhaft gesund zu bleiben. Er will nicht fremdgehen. Es steht also nicht weniger als das Wohlbefinden der Nation auf dem Spiel, wenn sich die medizinische Grundversorgung kilometerweit von der eigenen Wohnung entfernt. Früher hat der Hausarzt seinem Nachfolger die Praxis verkauft und sich so eine stolze Summe für den Ruhestand verdient. Heute ist er froh, wenn er die Räume samt der teuren Technik verschenken darf. Doch selbst das wird zunehmend schwieriger, weil der medizinische Nachwuchs Prioritäten setzt: Er will erstens nicht in den Osten, zweitens nicht nach MV und drittens nicht aufs Land. In drei, vier Jahren, wenn eine Generation von Niedergelassenen den Kittel auszieht, wird es bedrohlich.

Es ist verständlich, an den Idealismus zu appellieren und den Arzt dorthin zu wünschen, wo er gebraucht wird. Doch der Arzt wird heilen, wo er sich wohlfühlt, wo alles stimmt: der Lohn für harte Arbeit und Überstunden, das Umfeld für die Familie und die Kultur als Nahrung für den Intellekt des Akademikers. Genau daran krankt das Gesundheitsland Nummer eins, das von der großen Koalition angestrebt wird. Ohne Medizin wird das Ziel nicht zu erreichen sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen