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17. November 2017 | 20:42 Uhr

Max-Samuel-Haus steht vor dem Ende

vom

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2013 | 10:06 Uhr

Stadtmitte | Das Max-Samuel-Haus geht einer ungewissen Zukunft entgegen. Der Grund: Das Bildungsministerium will die Fördermittel um rund ein Viertel kürzen. Noch weiß die Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur nicht genau, wie hoch die Zuwendung am Ende ist. Nach jetzigem Stand bedeutet die Sparrunde laut Stiftungsvorstand aber das Aus für das Max-Samuel-Haus zum 30. Juni. Die vier Mitarbeiter - einer in Voll-, drei in Teilzeit - müssen betriebsbedingt gekündigt werden.

Gestern führte der wissenschaftliche Leiter Frank Schröder eine Gruppe Senioren durch die aktuelle Ausstellung im Max-Samuel-Haus. Seine Kündigung hat er schon erhalten. Trotzdem berichtete er seinen Zuhörern mit gewohnter Professionalität von den Schicksalen der Mitglieder der jüdischen Familie Josephy. Die Ausstellung hat über die Grenzen Deutschlands hinaus Aufmerksamkeit erregt. Nun soll sie bis zum 15. Juni verlängert werden - und so vielleicht die letzte im Max-Samuel-Haus am Schillerplatz sein. Die Arbeit an der nächsten Schau ist erst einmal auf Eis gelegt. "Ich habe heute früh mit einem der Josephys telefoniert und darum gebeten, die Leihgaben noch etwas länger in der Ausstellung behalten zu dürfen", sagt Schröder. "Ich weiß nicht, wie ich ihnen erklären soll, dass das Bildungsministerium das Max-Samuel-Haus auf einmal nicht mehr will." Die traurige Wut über die Nachricht aus Schwerin ist den Mitarbeitern der Begegnungsstätte anzumerken.

Hansestadt fördert die Stiftung mit rund 89 000 Euro

"Ich verstehe einfach nicht, warum", sagt Ulrike Oschwald, Vorsitzende der Stiftung Max-Samuel-Haus. Mehr als zwei Jahrzehnte sei die Zusammenarbeit mit dem Landesministerium konstruktiv gewesen. Zwar sei die Fördersumme über die vergangenen Jahre schrittweise heruntergefahren worden, "aber da gab es im Vorfeld wenigstens Gespräche. Wir wussten immer in etwa, was auf uns zukommt", sagt Oschwald. In diesem Jahr sei das anders. Und es könnte noch schlimmer kommen: Denn bei einem Gespräch mit dem Ministerium habe im Raum gestanden, dass die Zuwendung von 2012 zurückgefordert werden könnte - immerhin 32 000 Euro. Die Erklärung: Der Förderantrag sei zu spät beim Ministerium eingetroffen. Ob das tatsächlich der Fall war, wird nun geprüft. Was es für das Max-Samuel-Haus bedeuten würde, wenn die Prüfung zu Ungunsten der Rostocker ausgeht, daran will Oschwald heute lieber noch nicht denken.

Auf einer Krisensitzung des Vorstandes am Mittwochabend ist zunächst ein Plan für die kommenden Monate erstellt worden, dem der aktuelle Stand zugrunde liegt. Demnach ist die Finanzierung der vertraglich gebundenen Leistungen und Verpflichtungen noch bis zum 15. Juni gesichert. Dies ist möglich, weil von Seiten der Hansestadt bereits ein vorläufiger Zuwendungsbescheid für das erste Halbjahr vorliegt. Denn das Max-Samuel-Haus wird zum einen durch kommunale, zum anderen durch Landesmittel unterstützt. Dabei trägt die Hansestadt den Bärenanteil der Förderung. Vorausgesetzt der Haushalt wird beschlossen, sind das in diesem Jahr 89 400 Euro.

Das Rostocker Kulturamt hat bislang von Seiten der Landesregierung keine Information darüber erhalten, in welcher Höhe die Landesförderung für das Max-Samuel-Haus in diesem Jahr ausfallen wird - dabei ist es vorgeschrieben, dass sich die Zuwendungsgeber gegenseitig darüber informieren. Die Nachricht kam im Kulturamt erst über die Betroffenen an. "Wenn das Max-Samuel-Haus sich mit der Absenkung nicht abfinden will, ist das nachvollziehbar", kommentiert das Kulturamt. Aus dem Kultusministerium hieß es gestern, geplant sei eine Förderung von 25 000 Euro - das sind 7000 weniger als im vergangenen Jahr. Diese Differenz, so ein Ministeriumssprecher, solle das Haus eigenständig ausgleichen.

"Das ist die vollkommene Missachtung einer über zwei Jahrzehnte gehenden, international hoch geachteten und fachlich sehr guten Arbeit", so Schröder. Das Haus und seine Mitarbeiter leisten einen aktiven Betrag zum Gedenken, zur Aufklärung und zur Prävention. Mehr als 130 000 Jugendliche wurden bereits betreut.

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