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22. November 2017 | 08:39 Uhr

Mauretanier baut die "Greif" nach

vom

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2013 | 07:06 Uhr

Südstadt | Mit Schutzmaske im Gesicht und Trennschleifer in der Hand steht Aboubakar Sy in seiner Werkstatt. Mehr als zwölf Stunden am Tag verbringt er in dem kleinen Raum. Dort geht er seiner Leidenschaft nach. Dort kann er seine Ideen lebendig werden lassen - dort kann Sy ein Künstler sein.

Vor drei Monaten hat der gebürtige Mauretanier vom Hanse-Sail-Verein den Auftrag bekommen, ein Modell von der "Greif" zu bauen. Als Konstruktionsvorlage dienten ihm zwei einfache Postkarten. Der 32-Jährige hat sich die Bilder eingeprägt und angefangen, zu schweißen. "Ich arbeite immer aus dem Kopf heraus. Ich habe tausende Ideen."

Am 2. August soll die metallene Nachbildung der Stahl-Schonerbrigg in die Kunsthalle verlegt werden. Bis zum 14. August wird sie dort zu sehen sein. Anschließend kommt das Modell in die Nikolaikirche. "Aboubakar ist ein fantastischer Handwerker. Er hat sein ganzes Leben der Kunst verschrieben", sagt Günter Senf, Vorsitzender des Hanse-Sail-Vereins. Senf hat dem Mauretanier den "Greif"-Auftrag verschafft. "Aboubakar hat bereits für das Rathaus eine Konstruktion gebaut. Er arbeitet auch am Projekt Upcycling und in der Rostocker Kunstschule als Dozent", so Senf. Sein Handwerk hat Sy in seiner alten Heimat gelernt. Jahrelang hat er dort als Schweißer gearbeitet, bis er 2009 nach Deutschland umsiedelte. Das erste Mal kam er 2000 künstlerisch mit Metall in Berührung. Vorher hat er vornehmlich Figuren aus Holz gefertigt. Sein größter Traum ist es, sich und seine Arbeit bekannter zu machen, seine Werke in Galerien auszustellen und irgendwann einmal vom Anfertigen von Kunstobjekten zu leben. Momentan gestaltet sich die Realisierung dessen aber als schwierig. Er hat weder eine geräumige Werkstatt noch die finanziellen Mittel zum Kauf von Werkzeug. Darüber hinaus hofft Sy derzeit auf die Bewilligung seines Asylantrages, um so dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Seine Frau und seine drei Kinder hat er seit seiner Ankunft in Rostock nicht mehr gesehen. "Sie sind derzeit in Senegal. Ich vermisse sie sehr."

Zuflucht und Ablenkung von dem Schmerz findet Sy in seiner Arbeit. Er versucht seine Kunstobjekte möglichst detail- und originalgetreu nachzubilden. Seine Materialien besorgt er sich oftmals vom Schrott. Ob Bleche, Rundstahl, Rohre und Draht - Sy kann alles gebrauchen. Für die Arbeit mit Metall braucht er viel Kraft. "Alles kommt aus den Händen." Für die "Greif" musste er sogar einen Sockel mit Rädern bauen. Nur so kann das Konstrukt transportiert werden. "Der Metall-Koloss wiegt nicht nur eine ganze Menge, sondern ist auch ziemlich hoch. 3,30 Meter misst das Schiff", erzählt Günter Senf.

Bei der Eröffnung der Hanse Sail wird die fertige "Greif"-Nachbildung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Dann ist auch die Besatzung des Segelschulschiffes eingeladen. Ab dem 8. August liegt der echte Segler im Rostocker Stadthafen. Für den 9. und 11. August sind sogar noch Plätze zum Mitsegeln frei.

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