Masseur trifft auf golfenden Politiker

Volles Training bei vollem Programm: Benjamin Hostmanngeos
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Volles Training bei vollem Programm: Benjamin Hostmanngeos

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27. November 2012, 10:59 Uhr

Rostock | Drei Tage hat seine Mutter nicht mit ihm gesprochen, als sie hörte, dass er bei der Benefiz-Fight-Night antritt. Aber das musste Benjamin Hostmann in Kauf nehmen. Er und seine 13 Teamkollegen aus Sport, Politik und Wirtschaft werden am 15. Dezember in der Ospa-Arena in den Ring steigen. Team Rot will siegen. Für Hostmann bedeutet das, dass er seinen Dreimal-zwei-Minuten-Kampf gegen Jungpolitiker Alexander Künzle technisch, konditionell und kräftemäßig stämmen muss.

Dafür trainiert er. Fünf- bis sechsmal die Woche ist er im Fitnesscenter. Das Boxtraining im Sportgym bei den Trainern Andreas Thämlitz und Dirk Steffen nimmt er so oft mit, wie es geht, aber seine Arbeitszeiten stehen ihm im Weg. "Wenn ich viele Verletzte habe, muss ich gucken, was gerade wichtiger ist", sagt Hostmann. Er ist Masseur beim Rostocker FC 1895. Zudem will er auch offiziell als Physiotherapeut arbeiten. Deswegen macht er gerade eine Weiterbildung und hat Prüfungen - ein vollgepackter Alltag. Aber der angehende Physiotherapeut trainiert zusätzlich zu Hause mit Kumpel Alex. Sparring, Ausdauer und Kraft stehen dann auf dem Plan. Hostmann will trotz der Widrigkeiten seinen Erfolg beim Kampf nicht dem Zufall überlassen.

Mittlerweile spricht auch seine Mutter wieder mit ihm. Die Angst, dass ihr Sohn sich die Nase bricht, ist zwar noch da, aber sie will ihn untersützen und zum Kampf kommen. Seine vier Geschwister waren gleich begeistert. Freunde, Bekannte und natürlich der Verein haben auch schon zugesagt. Sie wollen sich den Kampf nicht entgehen lassen. Von den Fußballern hatte sich keiner für die Fight-Night gemeldet, also entschied der 24-Jährige kurzerhand, die Herausforderung anzunehmen: "Es ist ja für den guten Zweck." Der Erlös aus den Eintrittsgeldern kommt Rostocker Kinderhilfseinrichtungen zugute. Noch ein Grund für das ganze Team, zum Fight zu kommen. Sie dürfen auch den Kampfnamen wählen, noch ist der offen. Klar ist aber, Hostmann läuft für den Verein mit allem drum und dran ein - vom Trikot bis zur Fahne.

Steckbrief Benjamin Hostmann
Alter: 24 Jahre
Gewicht: 90 Kilogramm
Größe: 1,84 Meter
Beruf: Masseur beim Rostocker FC 1895
Sportarten: Fußball, Fitnessstudio
Titel: Nachwuchs-Landesmeister Minigolf
Lieblingsmusik: Rock
Lieblingsfilm: „Heat“


Und das ist sein Gegner: Alexander Künzle scheint alles andere als ängstlich zu sein. Im Mixfight treffen sich der Masseur und der Jungpolitiker. Dass er in einem Mixfight antritt, findet Künzle fast bedauerlich. Er ist bei den Julis, dem Jugendverband der FDP, aktiv. „Ich hätte gern jemanden von der CDU, der SPD oder den Piraten als Gegner gehabt“, sagt er. Seine Chancen könne er schlecht einschätzen, „aber ich denke, eigentlich sie sind ganz gut“, sagt er.

Gemeinsam haben die beiden Kontrahenten vor allem eines: keinerlei Motivation, sich über ihren Gegner zu informieren. Sie hätten mehr mit sich selbst zu tun, sagen beide. Ob sich das noch wandelt, je näher die Herausforderung rückt? Künzle schiebt als Ausgleich zum Uni-Alltag, den Parteiaktivitäten und seinem Hobby Jiu Jiutsu lieber mal eine ruhige Kugel und spielt Golf. Sein Gegner Hostmann war passenderweise Nachwuchs-Landesmeister im Minigolf. Aber hier hört es mit den Gemeinsamkeiten endgültig auf. Künzle trainiert wie vorgegeben: Zweimal die Woche geht er zum Training im Sportgym, lässt sich von Percy Michatz und Martin Sengbusch scheuchen. Seinen eigentlichen Lieblingssport behält er trotz des Box-Trainings bei – einmal die Woche macht er Jiu Jiutsu. Anders als Hostmann hat Künzle es auch nicht so mit dem Bolzen. Fechten und Tennis liegen ihm mehr.

Dass er jetzt in den Ring steigen will, überraschte sein Umfeld. Judo und Kraftsport sind Freunde und Familie von ihm gewohnt, aber Boxen und vor Publikum – das ist neu. „Mein Vater ist begeistert, meine Mutter nicht so.“ Sie sei eher zurückhaltend und beobachte. Und sie hätte auch schon was zu gucken gehabt. Schon beim ersten Training hatte Künzle eine lädierte Nase. Dr. Andreas Tomann von der Pinguin-Apotheke, ein Teamkollege aus der blauen Ecke, scheint sehr treffsicher. Liebevoll wird er schon Dr. Eisenfaust genannt – Pech für Künzle. „Ihm tats leid, mir tats weh.“ Er nimmt es mit Humor – kein Grund, aufzugeben. Selbst der raue Umgangston stört ihn nicht. „Das muss auch so sein“, sagt er gelassen.


Steckbrief Alexander Künzle
Nickname: Der blaue Claus
Alter: 27 Jahre
Gewicht: 94 Kilogramm
Größe: 1,87 Meter
Beruf:
Student, politisch aktiv bei den Julis/FDP
Sportarten: Tennis, Judo, Kraftsport, Golf, Fechten
Hobby: Fotografieren, Geschichte, Golf
Lieblingsfilm: „For a few dollars more“


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