Maritim boomt

40 Kreuzfahrtschiffe steuerten Warnemünde 2012 an. Foto: geos
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40 Kreuzfahrtschiffe steuerten Warnemünde 2012 an. Foto: geos

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03. Januar 2013, 10:16 Uhr

Auch 2012 bildete der maritime Zweig eine Stütze der Rostocker Wirtschaft. Doch die Rekordsaison in der Kreuzfahrt, der Ausbau des Fähranlegers und die Grundlagen für neue Kaikanten sind der Hansestadt nicht genug. Sie will im kommenden Jahr noch eine Schippe drauflegen. Wie sich die maritime Wirtschaft aktuell darstellt:

Kreuzfahrtrekord: 181 Anläufe und 300 000 Passagiere - so viele wie nie zuvor - haben Warnemünde 2012 zu Platz eins der beliebtesten deutschen Kreuzfahrthäfen verholfen. Mehrfach mussten Schiffe schon in den Seehafen ausweichen, weil es an der Warnemünder Kaikante zu eng wurde. Profiteure des Booms sind die Rostocker Händler, Hoteliers, Gastronomen, Taxifahrer, Dienstleister oder auch Tankstellenbetreiber. Eine Umfrage unter 400 Firmen ergab, dass zwei Drittel von ihnen zusätzlichen Umsatz mit den Seepassagieren machen. Diese bringen jedes Jahr 71 Millionen Euro an Land, so eine Studie des Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung Rostock. "Es wäre schön, wenn es gelingen würde, zukünftig mehr Passagierschiffe im Herbst und Winter an unsere sehr gut geeigneten, aber auch teuren Hafenanlagen in Warnemünde zu holen", sagt Ulrich Bauermeister, Geschäftsführer der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero).

Werften optimistisch: Während die Neptun-Werft sich mit ihrer Spezialisierung auf Flusskreuzer schon länger auf Erfolgskurs befindet, haben die Nordic-Yards erst seit Kurzem in die Spur zurückgefunden. Den Durchbruch brachte die Umstellung auf die Offshore-Windkraft-Industrie. So gelang es beispielsweise im März dank eines 26-Millionen-Kredites des Landes, von Siemens den Zuschlag für die bereits dritte Konverter-Plattform im Wert von 200 Millionen Euro zu erhalten. Sie wird derzeit in Warnemünde und Wismar gebaut und soll planmäßig im August 2013 ausgeliefert werden. Die Aufträge verschaffen dem Unternehmen wieder Luft. Nach den Massenentlassungen stellte es sogar wieder neu ein, im September begannen 20 Lehrlinge ihre Ausbildung. Sie kommen auch beim neuesten Projekt zum Zuge: dem Bau eines Spezialschiffes für die Wartung von Offshore-Windanlagen. Es wird ab Frühjahr für das dänische Unternehmen DBB Jack-Up Services A/S mit Sitz in Aarhus gebaut. Der Auftrag soll einen Umfang von 70 bis 80 Millionen Euro haben. Die Auslieferung ist für Frühjahr 2014 vereinbart - mit Option auf zwei weitere Schiffe.

Die rund 450 Mitarbeiter der Neptun-Werft hingegen haben schon länger einen sicheren Arbeitsplatz. Im März zog das Unternehmen einen Großauftrag für sechs Flusskreuzer an Land. Der Auftraggeber, Viking River Cruises, hatte zuvor bereits sechs Schiffe bestellt. Zuletzt legte er noch einmal zehn Schiffe drauf. An die Rostocker Reederei Arosa lieferte die Neptun-Werft mit der "Arosa Silva" bereits den zehnten Neubau in zehn Jahren aus. Der elfte soll 2014 folgen. Und auch als Zulieferer für die großen Schiffe, die in der Meyer-Werft gebaut werden, wurden die Warnemünder wieder tätig. Unter anderem für die "Norwegian Breakaway", die im Frühjahr in Dienst gestellt werden soll.

Hafen investiert: Durchwachsen zeigt sich das Jahr aus der Sicht der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero). Im ersten Halbjahr ging der Umschlag um sieben Prozent zurück, nachdem er bereits 2011 um sechs Prozent eingebrochen war. Um den Trend zu stoppen, wurden rund 50 Millionen Euro in den Hafen investiert, beispielsweise in den Ausbau des Fähr- und Ro-/Ro-Terminals und die Umschlaganlage für den Kombinierten Ladungsverkehr. Für einen Paukenschlag sorgte die Kündigung der Fährneubauten "Berlin" und "Copenhagen" durch Scandlines bei den P+S-Werften. Die Schiffe sollten auf der Vorzeige-Route Rostock-Gedser zum Einsatz kommen. Außerdem verkaufte Scandlines seine Frachtrouten an Stena-Line und entließ 175 Mitarbeiter.

Groß Klein mit neuer Kaikante: Wegen des Platzmangels im Seehafen soll in Groß Klein ein neues maritimes Gewerbegebiet entstehen. Den ersten Interessenten gibt es mit dem Rotorblatthersteller Euros bereits. Das Unternehmen will ein Werk errichten und bis zu 350 Arbeitsplätze in Rostock schaffen. Unklar ist noch, wann es losgehen soll.

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