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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. Oktober 2017 | 00:53 Uhr

Kirche : Marienkanzel: Verein sammelt weiter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Für eine Sanierung des 439 Jahre alten Bauwerks fehlen noch 40 000 Euro. Die Förderer setzen auf die Kulturministerin und Spenden.

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Von den benötigten 140 000 Euro für die Sanierung der 439 Jahre alten Kanzel in der Rostocker Marienkirche fehlen nur noch 40 000 Euro. Der Förderverein von St. Marien hat die Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock ins Leben gerufen und gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Innenstadtgemeinde um Fördergelder geworben – erfolgreich. So wollen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Ostseesparkasse sowie die Oetker-Stiftung dieses Projekt mit 100 000 Euro unterstützen. Um das restliche Geld aufzutreiben, hat der Förderverein eine Förderanfrage bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gestellt und hofft auch auf Spenden der Rostocker. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr starten. Die vergoldeten Holzschnitzereien der fast zehn Meter hohen Kanzel sind stark verschmutzt. Zudem fehlen einige Figuren des Kunstwerkes aus dem Jahr 1574. Die Kanzel selbst stammt aus der Renaissance, ihr Schalldeckel aus der Barockzeit (1723). Von ihr aus haben in den vergangenen Jahrhunderten viele Prediger der Theologischen Fakultät gesprochen. Damit ist sie für die Universität wichtig, die im Jahr 2019 ihren 600. Geburtstag feiert – als älteste Universität des Ostseeraumes.

Der Pastor der Innenstadtgemeinde, Tilman Jeremias, ist dem Förderverein für das Engagement und das Einwerben von Fördergeldern dankbar. Als er als Pastor in St. Marien antrat, war es für ihn, wie er heute erzählt, „eine Hürde“, von der Kanzel aus zu predigen. „Man schwebt über der Gemeinde“, erklärt er. Inzwischen schätzt er den Platz. „Bei Luther stehen die Predigt und die Bibel im Mittelpunkt des Gottesdienstes“, sagt Tilman Jeremias und verweist auf den Bau von Kanzeln als ein Werk der Reformation. Allein in Mecklenburg entstanden im ersten Jahrhundert nach der Reformation etwa 80 bis 90 neue Kanzeln. Die erste Predigt auf der Kanzel in St. Marien, einer der schönsten von ihnen, ist wahrscheinlich von Lucas Bacmeister (1530-1608) gehalten worden, der gleichzeitig Prediger der Kirche und Theologieprofessor der Uni war. Auch Prof. Heinrich Müller, ein bedeutender Theologe, der von Gelehrten als der „größte deutsche geistliche Redner nach Luther“ angesehen wurde, hat hier gepredigt. Gegenüber der Kanzel hängt heute überlebensgroß sein Porträt.

Am 12. November 1419 wurde die Universität feierlich in St. Marien eröffnet und ist ihr bis heute eng verbunden. „Kein ernsthafter Mensch zweifelt daran, dass sie Gründungskirche der Uni Rostock ist“, sagt Wolfgang Fehlberg, Mitarbeiter in der Sondersammlung der Uni und Mitglied des Fördervereins der Marienkirche. Fast 150 Jahre später, 1563, war die Marienkirche wiederum der Ort, an dem sich eines der wichtigsten Ereignisse der Universitätsgeschichte vollzog: die Unterzeichnung der Formula Concordiae, mit der die jahrzehntelangen Bemühungen um eine Neustrukturierung der Universität nach der Reformation ihren Abschluss fanden. Über Jahrhunderte hinweg fanden in ihr Promotionshandlungen statt. Viele Universitätsangehörige fanden in ihr ihre letzte Ruhestätte. Eine Großzahl der Epitaphe bezieht sich auf frühere Absolventen oder Professoren.

„Offiziell Universitätskirche war St. Marien allerdings nur von 1817 bis 1899“, weiß Wolfgang Fehlberg. Anschließend wurde die Klosterkirche zum Heiligen Kreuz offizielle Universitätskirche.


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