Marathon zum Aufwärmen : „Man muss schon verrückt sein“

Gut gewappnet für den Mauerlauf: Erst kürzlich legte Jörg Beyer in Delmenhorst 177 Kilometer in 24 Stunden zurück und erreichte damit Rang zwei in seiner Altersklasse.
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Gut gewappnet für den Mauerlauf: Erst kürzlich legte Jörg Beyer in Delmenhorst 177 Kilometer in 24 Stunden zurück und erreichte damit Rang zwei in seiner Altersklasse.

Jörg Beyer aus Rövershagen nimmt im August am Berliner Mauerlauf über 161 Kilometer teil. Sein Übergewicht gab 2008 den Ansporn zum Sport

svz.de von
29. Juli 2015, 12:00 Uhr

Für Jörg Beyer ist ein gewöhnlicher Marathon eher wie ein lockeres Aufwärmprogramm. Der 50-jährige Rövershäger läuft für sein Leben gern – und das auch mal weiter als die sonst üblichen 42 Kilometer. Sein nächstes Ziel: Der Berliner Mauerlauf, der am 15. und 16. August auf 161 Kilometern einmal quer durch die Hauptstadt führt. „Dafür muss man dann schon ein wenig verrückt sein“, sagt Beyer.

Was heute die große Leidenschaft des Bundespolizeibeamten ist, begann 2008 mit einem ernsten Hintergrund. Rückblickend erzählt er: „Bei 25 Kilo Übergewicht dachte ich mir, so kann es nicht weiter gehen.“ Wer dabei jedoch an feste Trainingspläne denkt, ist bei Beyer an der falschen Adresse. „Ich habe meine Ernährung umgestellt und esse überwiegend Fisch, Geflügel und Gemüse. Der Rest war dann Eigenregie und Gefühl. Nur auf Schokolade kann ich nicht verzichten“, sagt er. Dennoch habe es lediglich zwei Wochen gedauert, bis ihn das Laufvirus endgültig gepackt hatte. „Von da an hat es einfach nur noch Spaß gemacht“, so Beyer.

Mit diesem positiven Gefühl im Rücken ließ auch der erste offizielle Wettkampf nicht lange auf sich warten. Seine Eindrücke schildert der Familienvater so: „Stimmung, Atmosphäre und das Treffen Gleichgesinnter waren so klasse, dass ich unbedingt weitermachen wollte.“ Nach dem ersten Halbmarathon beim Rostocker City-Lauf 2009 folgte nur wenige Wochen später mit dem Berlin-Marathon Beyers bis dahin größter Härtetest. Beyer beschreibt den Zieleinlauf: „Nachdem ich nach 3:55 Stunden im Ziel war, kamen mir vor lauter Glück wirklich die Tränen.“ Doch sich auf dem Erreichten auszuruhen, kam für den Rövershäger nicht infrage. „Allein schon aus Motivationsgründen musste ich danach einfach einen neuen Anreiz schaffen“, sagt er. Diesen fand er im Müritzlauf 2010 über 76 Kilometer. Ultramarathon nennt die Laufszene Distanzen, die länger sind als 42 Kilometer. Beyer benötigte für seine Premiere übrigens gut acht Stunden.

Heute – fünf Jahre und etliche Marathon- und Ultramarathonläufe später – hat er sich mit dem Berliner Mauerlauf über 161 Kilometer erneut ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. „Die Vorbereitung ist das eine, der Ultra selbst dann aber reine Kopfsache“, versichert Beyer, der sich eine Zeit von unter 22 Stunden vorgenommen hat.

Und die weiteren Ziele? „Auch wenn es verrückt klingt, würden mich Läufe durch die Wüste oder ins Gebirge reizen“, so Beyer. Was auf den ersten Blick nach großem Zeitaufwand wenig Familienfreundlichkeit klingt, ist bei den Beyers übrigens kein Problem. Gemeinsam mit Ehefrau Christiane nutzt der 50-Jährige seine Wettkämpfe in Wien, Barcelona oder Amsterdam häufig für einen anschließenden Urlaub. Und auch Tochter Louisa (20) hat sich übrigens längst von der Leidenschaft des Vaters anstecken lassen und läuft selbst alle Distanzen bis zum Halbmarathon.

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