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Norddeutsche Neueste Nachrichten

14. Dezember 2017 | 01:57 Uhr

Mädchen brauchen mehr Mut

vom

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2011 | 07:21 Uhr

Rostock | Schweineohren in flüssige Schokolade tauchen und anschließend naschen: Bei ihrem Schnuppertag im Rostocker Handwerkerbildungszentrum haben die Mädchen vom Förderzentrum in der Danziger Straße einen Einblick in die Vorzüge des Konditorberufs bekommen. Weil das ein Handwerk mit körperlich hohem Anspruch ist, entscheiden sich noch viel zu wenig Mädchen für eine Konditorausbildung. Um das zu ändern, hat das Handwerkerbildungszentrum gestern zum landesweiten Girls Day - Mädchen Zukunftstag in die hauseigene Backstube eingeladen.

"Konditor könnte ich mir für später wirklich vorstellen", meint Franziska Schmidt (13). Obwohl die Schülerin des Förderzentrums noch eine Menge Zeit für die Berufswahl hat, ist sie froh über den Schnuppertag. "Vorher hatte ich zwar auch schon eine Idee in dieser Richtung, aber dadurch hat sich mein Wunsch nun verstärkt", so die 13-Jährige. Wenn sie in der Schule fleißig lernt, könnte sie es zur Konditorin schaffen.

Frühe Arbeitszeit wird zur Herausforderung

Dass frühes Aufstehen in der Branche ein Muss ist, darüber sind sich auch ihre Klassenkameradinnen Anne-Maria Schmidt (13) und Sophia Linzenberg (14) im Klaren. "Wir stehen jetzt auch schon früh auf, dann müssen wir halt noch eine Stunde früher raus. Mit einem Wecker wird das schon gehen", sagt Sophia. Neben dem Konditorberuf stehen bei ihr noch eine Ausbildung zur Tierpflegerin oder zur Floristin auf dem Plan. Anne-Maria hingegen würde lieber Kellnerin oder Nageldesignerin werden.

Während die Mädchen vom Förderzentrum eher an handwerklichen Tätigkeiten interessiert sind, konzentriert sich Anita Nguyen (15) vom Schulcampus Evershagen eher auf Berufe, bei denen Köpfchen gefragt ist. Zusammen mit Mädchen der Don-Bosco-Schule stattete sie gestern Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU) einen Besuch im Rathaus ab. "Ich halte Politik für etwas sehr Wichtiges", sagt Anita. Um ihr den Beruf näher zu bringen, gab Bürgerschaftspräsidentin Jens den Schülerinnen Hinweise für einen leichten Einstieg in die Politik. "Ihr braucht vor allen Dingen gesellschaftliches Engagement", sagt sie. Die 15-Jährige kann sich ein Leben als Politikerin selbst aber nicht so ganz vorstellen. "Mir schwebt etwas Kreatives vor", sagt sie.

Insgesamt 23 Unternehmen und Ausbildungseinrichtungen stellten gestern in der Hansestadt Berufsgruppen vor, für die sich in der Regel mehr Jungen interessieren. Dazu gehörten die Bundeswehr, ABC-Bau, das Arbeitsförderungs- und Fortbildungswerk, das Technische Hilfswerk, Suzlon Energy, Nordex und die Bundespolizeiinspektion. "Traditionell erlernen Mädchen lieber einen sozialen Beruf", sagt Jens. Ihrer Meinung nach legen die Eltern den Grundstein für die Interessen der Mädchen: "Sie legen zu viel Wert auf weibliche Tugenden." Dabei hält sie es für entscheidend, dass die Heranwachsenden für technische, handwerkliche und Forschungsberufe motiviert werden. "Aufgrund der alternden Gesellschaft fehlt in diesen Bereichen dringend Nachwuchs", sagt sie. Häufig mangele es bei den Mädchen an Mut, um sich in einem männerdominierten Beruf durchzusetzen.

Jens hofft, dass durch den Girls Day junge Frauen Vorurteile gegenüber technischen Berufen abbauen und sich gezielt mit ihrer Berufswahl beschäftigen. "Denn wenn sie sich für eine Männertätigkeit entscheiden, sind sie oftmals sehr erfolgreich", sagt die Bürgerschaftspräsidentin.

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