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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. Oktober 2017 | 13:01 Uhr

Machtprobe um das Volkstheater

vom

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 06:08 Uhr

Rostock | Die Situation für das Volkstheater spitzt sich weiter zu. Denn aller Zusagen zum Trotz könnte bald jegliche zusätzliche finanzielle Unterstützung wegbrechen und das Theater damit schon in wenigen Wochen vor der Pleite stehen.

Das Land droht damit, sein Angebot für eine Soforthilfe in Höhe von einer halben Million Euro für die Bühne zurückzuziehen - wenn Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) den Weg für einen städtischen Zuschuss nicht frei macht. Das machte Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) unmissverständlich klar. "Erste und wichtigste Voraussetzung für eine Perspektive ist, dass Träger sich offensiv und verlässlich zu ihren Theatern bekennen", schrieb er am Dienstag in einem Brief an Methling. Brodkorb gehe deshalb davon aus, dass der OB den demokratischen Beschluss der Bürgerschaft respektiert und seinen Widerspruch gegen den 1,3-Millionen-Euro-Beschluss zur städtischen Unterstützung zurückzieht.

Bis gestern beharrte Methling jedoch auf seiner Position und wehrte sich heftig: "Offensichtlich hat der Kultusminister ein gestörtes Demokratieverständnis". Schließlich sei ein Beschluss erst dann demokratisch gefasst, wenn alle Beteiligten zustimmten und er in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Grundlagen stehe. Solange es keine Deckungsquelle für die 1,3 Millionen gebe, müsse der Widerspruch angesichts der Finanzlage der Stadt aufrecht erhalten werden.

Damit schlittert die Theater-GmbH weiter in Richtung Insolvenz. Denn ganz ohne Zuschuss aus Landes- oder Stadtkasse müsste der Geschäftsführer Stefan Rosinski im Januar den Insolvenzantrag stellen.

Auch ein Treffen von Vertretern des Kultusministeriums, des Volkstheaters und der Rostocker Rathausspitze gestern Vormittag konnte die Wogen nicht glätten, sondern führte offenbar zu einer weiteren Eskalation. Im Rathaus machte die Delegation aus Schwerin noch einmal deutlich: Geld vom Land gibt es nur, wenn auch die Stadt ihren Anteil beisteuert - und zwar mindestens 800 000 Euro, was Methling zunächst wieder ablehnte.

Die Situation verschärfte sich weiter, als das Land weitere Forderungen zur Theaterstruktur auf den Tisch legte. "Das Ministerium hat noch einmal deutlich gemacht, dass es die Variante 7 - und damit eine Fusion mit Schwerin - klar präferiert", sagte Methling. Auch die Suche nach einem neuen Intendanten soll Rostock nach Willen des Landes während der Strukturgespräche vorerst stoppen. Methling betonte gestern, dass er sich weiter für den Erhalt eines eigenständigen Volkstheaters einsetze. "Das bedeutet aber nicht, dass der Betrieb alle vier Sparten selbst vorhalten muss."

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