Machtkampf um das Volkstheater

Das Volkstheater Rostock. Foto: Archiv
Das Volkstheater Rostock. Foto: Archiv

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14. März 2013, 06:44 Uhr

Rostock | Der Oberbürgermeister macht ernst: Alle Ausgaben und Verträge der Volkstheater Rostock GmbH sollen künftig zur Genehmigung über den Tisch von Roland Methling (parteilos) gehen. So will der OB nach Rathausangaben sicherstellen, dass sich die wirtschaftliche Lage der Bühne nicht nur nicht weiter verschlechtert, sondern langfristig auch besser wird.

Im Theater reagiert die Doppelspitze mit Unverständnis auf den Vorstoß des Oberbürgermeisters. Mehr noch: Gerade der Künstlerische Leiter des Hauses, Intendant Peter Leonard, sieht seinen Verantwortungsbereich über rechtliche Grenzen hinaus beschnitten. "Die Entscheidung über Einstellungen im künstlerischen Bereich stehen mir zu. Eine Genehmigung dafür werde ich nicht einholen und dazu bin ich auch nicht verpflichtet", wehrt sich Leonard. Die Anordnung des Oberbürgermeisters, alle Personalverträge vorab vom Gesellschafter absegnen zu lassen, verletze die künstlerische Freiheit. "Es gibt bereits Kontrollebenen und einen klar definierten wirtschaftlichen Rahmen, an den ich mich halte", sagt Leonard. Schließlich sei es Aufgabe des Kaufmännischen Geschäftsführers der GmbH, Stefan Rosinski, zu entscheiden, ob ein Personalvertrag im Budget liege. "Wenn nicht, dann lehnt er ihn ab", so Leonard.

Das reicht dem Oberbürgermeister anscheinend nicht. Schon im Zusammenhang mit der Abwendung der Theater-Insolvenz Mitte Januar hatte er angekündigt, künftig die Geschäftsführung zu kontrollieren. Dafür hat er nun Mitarbeiter des Amtes für Management und Controlling, das ihm direkt unterstellt ist, ins Theater abgesandt - wie es aus dem Rathaus heißt, um die Buchhaltung der Theater GmbH zu unterstützen. Intendant Leonard reagiert scheinbar gelassen auf diese Vorgehensweise. "Wir haben nichts zu verstecken", betont der Intendant.

Schon einmal wurde ein Externer ins Volkstheater geschickt, um bei der Wirtschaftsplanung unter die Arme zu greifen. Doch zu diesem Zeitpunkt war Leonard allein mit der Leitung des Hauses betraut. Jochen Bruhn von der Versorgungs- und Verkehrsholding half nach dem Rauswurf von Theater-Geschäftsführer Kai-Uwe Nissen.

In Kürze werden sich der Aufsichtsrat des Volkstheaters und die Bürgerschaft als Gesellschafterversammlung mit dem Thema beschäftigen müssen.

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