Umwelt : Machen Schiffsabgase krank?

Regelmäßig entnimmt Jürgen Orasche Proben, die ins Labor geschickt werden. In einem halben Jahr sind die Ergebnisse da.
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Regelmäßig entnimmt Jürgen Orasche Proben, die ins Labor geschickt werden. In einem halben Jahr sind die Ergebnisse da.

Internationales Wissenschaftler-Team untersucht an der Uni Rostock die gesundheitlichen Folgen des Schadstoffausstoßes

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03. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Abgase aus Schiffsmotoren sind gesundheitsschädlich – in welchem Grad und mit welchen Konsequenzen, das untersucht derzeit die Universität Rostock gemeinsam mit dem Helmholtz Zentrum München. „Jeden Tag sind auf den Weltmeeren Schiffe mit Schweröl unterwegs. Sie stoßen Schadstoffe aus, Emissionen, die in der Atmosphäre altern“, erklärt Unirektor Prof. Wolfgang Schareck. „Hier untersucht ein internationales Team, was dabei herauskommt, wenn Schweröl verbrennt, welche Auswirkungen für unsere Gesundheit entstehen.“

In den vergangenen Wochen wurden dazu am Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren (LKV) verschiedene Experimente durchgeführt. So wurde beispielsweise untersucht, ob UV-Strahlung die Bildung giftiger Stoffe fördert. Eine erste Untersuchung zu dem Thema vor rund eineinhalb Jahren habe ergeben, dass auch Leichtöl keine bessere Schadstoffbilanz hat als Schweröl. „Schiffe verbrennen 30 Prozent der weltweit eingesetzten Kraftstoffe“, so Prof. Ralf Zimmermann, Lehrstuhlinhaber des LKV. Gerade Städte wie Rostock, Hamburg, Bremen oder Kiel seien wegen ihrer Lage am stärksten von den Emissionen betroffen. „Allein in Deutschland verlieren wir ein Jahr Lebenszeit durch Luftverschmutzung. Deshalb wurden durch die Regierung Umweltzonen eingeführt. Nur irgendwie hat man anscheinend den Schiffsverkehr vergessen“, so Zimmermann. 90 Prozent der Masse an Gütern wird über Schiffe transportiert. „Wir stellen uns die Frage, wie die Motoren weiterentwickelt werden können. Immerhin werden 90 Prozent der Motoren für den Schwerölbetrieb in Deutschland produziert, unter anderem bei Caterpillar in Warnemünde“, sagt Ingenieur Dr. Volker Wichmann, Leiter der Arbeitsgruppe zur experimentellen Motorenuntersuchung.

In Warnemünde liegen im Sommer oftmals gleich mehrere Kreuzfahrtschiffe. Dass dieser rege Verkehr Konsequenzen hat, weiß Zimmermann. „Sie werden nicht über Landstrom versorgt, das heißt mindestens ein Motor bleibt an, um das Schiff am Laufen zu halten.“ Er gehe fest davon aus, dass das gesundheitliche Auswirkungen hat. In Rotterdam habe es bereits eine Langzeituntersuchung gegeben, bei der herauskam, dass die Hafenbewohner häufiger Tumorerkrankungen erlitten. „Umweltschutz kostet. Der Einbau von Filtern ist eine Kostenfrage, doch die Reeder sind sparsam“, sagt Wichmann. Lediglich einige Kreuzfahrtanbieter hätten bisher mit den Planungen zum Partikelfilter-Einbau begonnen. „Die Kreuzfahrtindustrie hat das Problem erkannt, nicht aber die Containerschifffahrt“, fügt Wichmann hinzu. Daher müsse der Gesetzesgeber eingreifen, eine Vorschrift schaffen, die das Einlaufen von Schiffen verhindert, die mit Schweröl fahren. „Schließlich geht es hier um unsere Gesundheit“, so Zimmermann. Als Chance sehen die Wissenschaftler den Einsatz von Erdgas. Wichmann: „Dadurch wird unter anderem der CO2 -Ausstoß verringert. Nur die logistischen Voraussetzungen sind noch nicht gegeben.“

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