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Lina Brand und Susanne Saupe erleben zum 100. Mal Weihnachten

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erstellt am 21.Dez.2012 | 05:19 Uhr

Warnemünde | Für Susanne Saupe gibt es nur ein echtes Weihnachtsland: "Das ist das Erzgebirge", sagt sie. Dort ist die 100-Jährige geboren. Ruft sie sich die Bilder ihrer Kindheit vor Augen wird eine Fülle an Motiven sichtbar: Verschneiter Wald, Berge und unzählige Schnitzereien. Inzwischen muss die 100-Jährige mit der Erinnerung vorlieb nehmen, die weite Reise bewältigt sie nicht mehr. Deshalb hat sie sich einen Hauch Erzgebirge in ihre Stube ins Warnemünder Pflegeheim Rolf Grund geholt. Dzu gehört auch ein Räuchermann aus ihrer Kindheit. Die Häuser im Dorf waren niedrig, trotzdem haben dort FaFamilien mit vielen Kindern gelebt.. Wie viele es waren, war in den Fenstern zu sehen: "Für jedes Mädchen stand ein Engel, wie viele Jungen es waren, verriet die Anzahl der Räuchermanner", erzählt sie.

Es gab mehr praktische Geschenke

Die Männer haben in der Vorweihnachtszeit geschnitzt, Frauen saßen über Handarbeiten wie Klöppeln und Stricken. Auch wenn sie Einzelkind ist hatte sie genug Spielgefährten. "Das ganze Dorf war auf Weihnachten eingestellt", erzählt sie. Zwischen den Fensterscheiben, wo die Engel und Räuchermänner standen, lag Moos. Einerseits diente das der Abdichtung, anderseits der weihnachtlichen Stimmung. Geschenke hatten nicht die große Bedeutung wie heute: "Es gab mehr praktische Dinge wie Pfefferkuchen, Schal und Handschuhe", sagt sie. Neues Spielzeug war oft nicht drin, die Leute waren oft arm, dafür wurden die Puppen neu eingekleidet oder die Schaukelpferde der Jungs aufgearbeitet. Etwa 14 Jahre hat sie in ihrem Weihnachtswunderland gelebt, dann zog die Familie in die Nähe von Dresden zu den Großeltern. Es kamen Kriege und mit ihnen Not und Armut. "Da haben alle das ganze Jahr gespart, um zu Weihnachten etwas zu haben", sagt sie. In der Zeit kam man in der Gastwirtschaft des Ortes zusammen. "Da habe ich als Kind die Schrecklichkeit des Krieges durch die Erzählungen der Erwachsenen gespürt", sagt sie. Im Erzgebirge essen Leute Wurst und Sauerkraut zum Fest. In 100 Jahren haben sich die Bräuche geändert, es gab karge und bessere Jahre. Eines bleibt unverändert: Ihre Sehnsucht nach dem Erzgebirge. Deshalb vermitteln ihr die Stücke aus dem Zimmer ein vertrautes, heimatliches Gefühl. Jetzt war ihr Sohn zum Weihnachtsbesuch da. Und Heiligabend verlebt sie mit Heimbewohnern.

Darunter ist Lina Brand, für die es ebenfalls das 100. Weihnachten ist. Sie erinnert sich, dass ihr Vater en Tannenbaum erst Heiligabend gekauft hat. "Er hat immer behauptet, dass das der beste Baum ist, den es gibt", sagt die 100-Jährige schmunzelnd. Auch sie bestätigt, dass Geschenke nicht so wichtig waren wie heute. Einmal hatte sie sich einen Puppenwagen gewünscht, den hat sie nie bekommen. "Dafür hat meine Mutter beim Kürschner eine Mütze, einen Schal und einen Muff für die Hände anfertigen lassen", sagt sie. Darüber war sie so enttäuscht, dass sie es das Geschenk an die Wand geworfen hat. Bei ihrer Familie gab es Kartoffelsalat und Würstchen zu essen. Nicht alle Weihnachten waren schön. Denn beide Brüder sind gefallen. Der Älteste im Ersten Weltkrieg, der Jüngste überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. "Meine Mutter hatte gehofft, dass er nicht eingezogen wird, weil er noch so jung war - umsonst", sagt sie. Von da an waren die Weihnachtsfeste stiller. Ihr Mutter starb an dem Leid, Lina führte für den Vater die Wirtschaft. Als sie selbst eine Familie hat, ist sie froh, als sie für Sohn Horst eine elektrische Eisenbahn ergattert. Das war Mangelware. Sie hat sich an ihren unerfüllt gebliebenen Wunsch erinnert. Auch sie hat vorher mit ihm gefeiert und verbringt Heiligabend mit Bewohnern. "Ich bin ja nicht allein", sagt Lina Brand. Außerdem hat sie dem Sohn zugeredet, weil bei ihm eine neue Liebe ins Spiel gekommen ist. das versteht sie sehr gut - trotz ihrer 100 Jahre. Es ist ja auch das Fest der Liebe.

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