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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 16:15 Uhr

Schmarl-Dorf : „Likedeeler“ muss in die Werft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

2016 läuft das Schwimmfähigkeitszeugnis aus. Platten am Rumpf sind zu dünn. Geschätzte Kosten: 900 000 Euro.

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erstellt am 16.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Auf den ersten Blick scheint die in blau-weiß lackierte „Likedeeler“, die in Schmarl-Dorf vertäut ist, gut in Schuss. Doch Schallmessungen am Rumpf der alten Dame haben ergeben: Die Plattenstärke hat stark unter Wind und Wasser gelitten. Um im kommenden Jahr ein neues Schwimmfähigkeitszeugnis zu erhalten, muss das Schiff im Dienst der Kinder- und Jugendarbeit in die Werft. „Nur im Dock ist eine Erneuerung möglich“, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Die Abrostung sei im Unterwasserbereich festgestellt worden.

Erste Sondierungsgespräche mit den Rostocker Werften laufen bereits, so Ruhnke: „Wann ist das Dock frei, können sie die Arbeiten überhaupt ausführen?“ Sollte keine Einigung mit den heimischen Spezialisten erzielt werden, bliebe wohl nur der Weg nach Stralsund oder Polen. Dann allerdings würden die Schlepperkosten den Preis nach oben treiben. Derzeit geht der Hafenkapitän von rund 900 000 Euro aus, die benötigt werden.

„Wir als Verein können das nicht stemmen“, sagt Wolfdietrich Barmwoldt, Vorsitzender des Fördervereins Jugendschiff „Likedeeler“. Die zum Großteil ehrenamtlich tätigen Mitglieder stoßen schon mit der normalen Instandhaltung an ihre Kapazitätsgrenze. „Ohne Sponsoren schaffen wir das nicht“, sagt Barmwoldt. Allein Anstrich und Wartung der Masten im vergangenen Jahr hätten rund 15 000 Euro gekostet. Der Umbau des ehemaligen Stückgutfrachters zur schwimmenden Freizeitstätte liegt mittlerweile 27 Jahre zurück. „Jetzt ist das doch zu merken“, sagt Barmwoldt, der schon 1986 an Bord ging und nun auf die Hilfe der Stadt hofft.

Hafenkapitän Ruhnke sagt zu: „Von Seiten der Stadt sind wir dabei, die Finanzierung abzuklären.“ Das Geld solle in Rostocks Haushaltsplan für 2016 eingestellt werden. Schließlich gelte: „Wenn man Schiffe hat, muss man auch für sie sorgen.“ Anders als beim Traditionsschiff nebenan gebe es im Bereich der „Likedeeler“ keine Probleme mit der Versandung. Der ehemalige Frachter könne rückwärts in die Fahrrinne und dann in die Werft geschleppt werden, ohne zuvor aufwändig freigespült werden zu müssen.

„In Rostock wird immer so viel vom maritimen Erbe gesprochen – so viel, das in Rostock gebaut wurde, gibt es gar nicht mehr“, sagt Barmwoldt. Die insgesamt 134 Mitglieder seines Vereins, von denen rund 20 aktiv tätig sind, bringen dem Nachwuchs alles bei, was zum Seemannshandwerk dazugehört. Die Kinder und Jugendlichen lernen beispielsweise das Knoten, Kutterpullen und Segeln. Das Angebot umfasst aber auch den Strangang nach Warnemünde, die Einführung in die Welt unter und über Wasser sowie Fischereischeinlehrgänge. Direkt neben dem Schiff betreibt der Verein zudem ein Schullandheim. „Wir haben Gäste aus ganz Deutschland und sind so auch ein Werbeträger für die Hansestadt“, so Barmwoldt. Mit den Einnahmen aus dem Schullandheim stützt der Verein auch die Arbeit auf der „Likedeeler“. Das Schiff ist darüber hinaus Sitz anderer Vereine wie der Rostocker Oldies, der Gesellschaft für Schiffsarchäologie oder des Hansefilmstudios Rostock.

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