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Gedenken : „Lichtenhagen wird sich nicht wiederholen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Trägerverein Soziale Bildung richtet ein kollektives Gedächtnis ein

Nach der missglückten Geste der gepflanzten Friedenseiche am Sonnenblumenhaus setzt Rostock nun zu einem nachhaltigeren Gedenken an. Die Bürgerschaft hat das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“ an den Verein Soziale Bildung vergeben.

„Die Stadtgesellschaft hat noch kein kollektives Gedächtnis entwickelt“, sagt Martin Arndt vom Verein. Der 34-jährige Historiker und Pädagoge wird das Projekt koordinieren. Erster großer Schritt: der Aufbau eines umfassenden Archivs zu den Ausschreitungen von 1992 aus Materialien in Schrift, Bild und Ton. „Wir werden Zeitzeugen befragen – Sinti, Roma, Vietnamesen, aber auch Kräfte, die damals versagt haben“, sagt Kulturamtsleiterin Michaela Selling, die das Projekt unterstützt. Auch die Rolle der Helfer wie vom Jugendalternativzentrum wird beleuchtet, so Arndt. Dokumente werden inner- und außerhalb der Parlamente gesammelt. Für den Aufbau des Archivs, das sich im Peter-Weiss-Haus in der Doberaner Straße befindet, ist ein Jahr veranschlagt. Mit dem bis dahin Gesammelten soll die erste Version von Bildungsmaterialien für den schulischen und außerschulischen Bereich erarbeitet werden. „Die Ergebnisse werden kostenfrei und für alle Interessenten verfügbar sein“, so Arndt. Auch eine Onlineversion des Archivs ist in Planung.

Weiterhin, so Selling, soll das Gedenken verstetigt werden. Im Januar wird die damalige Schuldzuweisung an Sinti und Roma aus der Zentralen Aufnahmestelle eruiert. Und Selling denke auch an eine künstlerische Umsetzung des Erinnerns. „Das Stigma Lichtenhagen haftet Rostock an“, sagt Selling. Doch Rostock sei weiter als 1992 – vor allem bei Zivilcourage und Sicherheit. „Lichtenhagen wird sich nicht wiederholen“, sagt sie. Doch Rassismus ist nicht völlig aus Rostock verschwunden. „Es wird unsere Aufgabe sein, die Elemente in unserer Gesellschaft im Auge zu behalten und unsere Kinder und Jugendlichen aus den Fängen dieser braunen Soße zu halten“, sagt Selling. Gedenken, Erinnern, Aufarbeiten seien ein Weg dazu. Die Stadt fördert das Projekt 2015 und 2016 mit je 30 000 Euro – davon werden eine feste Stelle und Honorarkräfte finanziert. Laufzeit: zunächst bis 2018.

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