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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 00:35 Uhr

Rostock : Lichtenhagen: Rostock zeigt Stärke

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zum Jahrestag der ausländerfeindlichen Ausschreitungen erinnern und mahnen Stadt und Zivilgesellschaft – mit verschiedensten Beiträgen. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 11:45 Uhr

25 Jahre nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock, der Attacke auf das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen gedenkt Rostock und mahnt – mit diversen Veranstaltungen wie Vorträgen zum Umgang mit Rassismus, Ausstellungen oder auch einem Demokratiefest. „Das zeigt eine Stärke in der Stadt“, sagt Anette Niemeyer, „dadurch dass wir uns damit auseinandersetzen: Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“. Anette Niemeyer koordiniert beim Verein Veranstaltungen wie eine Fahrraddemo zu den fünf Kunstwerken des Künstlerkollektivs Schaum, die die Hansestadt Rostock nach einem Wettbewerb beauftragt hatte. Dezentral werden sie vor fünf Orten wie dem Rathaus und in der Mecklenburger Allee aufgestellt.

Ende des Jahres war Bunt statt braun-Geschäftsführer Matthias Siems auf die Stadt zugegangen, wollte neben den von der Stadt geplanten Kunstwerken auch Veranstaltungen etablieren, die viele Rostocker mitnehmen und damit die Bestrebungen von rund 20 Vereinen und Einrichtungen wie der Kolping Initiative, der Musikschule Vierteltakt oder auch des Migrantenrates verknüpfen. 50 000 Euro Kulturfördermittel hat die Stadt genehmigt – 15 000 für die feierliche Eröffnung der Kunstwerke, die das Kulturamt koordiniert, 35 000 für die Veranstaltungen. Dazu kam der Einsatz von Sponsoren wie Druckerei Weidner, RSAG, GGP, IHK, Ospa, Stadtmission und Rostock Port. „Die haben eine super Arbeit geleistet“, sagt Ralf Mucha (SPD), Ortsbeiratsvorsitzender von Lichtenhagen, über Bunt statt braun. Er selbst war und ist stark in die Vorbereitung eingebunden. Trotzdem würden sich vor dem Gedenken einige Lichtenhäger fürchten – vor neuen Negativschlagzeilen. „Mahnen und erinnern: Ja, aber nicht in Form von Tafeln oder Säulen“, sei ein Tenor in Lichtenhagen, erklärt Mucha. Mit den ergänzenden Veranstaltungen der zahlreichen Initiativen, gesteuert von Bunt statt braun, sei eine gute Mischung gefunden worden.

„Wir wollen alle Rostocker ansprechen“, erklärt Siems. Er hofft, dass die Lichtenhäger keine Scheu haben, dabei zu sein. Die rassistischen Ausschreitungen „waren kein Lichtenhagen-Problem, sondern ein gesamtstädtisches“, sagt Siems, eigentlich eines von ganz MV. „Lichtenhagen ist ein Stadtteil, der sich hervorragend entwickelt hat, dieses Hochhaus wird leider immer als mahnende Erinnerung stehen – für die ausländerfeindlichen Ausschreitungen“, so Mucha. „Nur wenn man aufhört, daran zu erinnern, besteht die Gefahr, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu unterschätzen“, sagt Niemeyer. Rund um den Jahrestag wollen die Organisatoren Vielfalt betonen, Rostocks heutige Stärke.

Die Veranstaltungen

• 16. August, 16 Uhr bis 28. Oktober: Ausstellung „Vietnamesische Rostocker“ bei Diên Hông, Waldemarstraße 33; 19 Uhr: Vortrag „Kontext, Dimension und Folgen rassistischer Gewalt“ im Peter-Weiss-Haus, Doberaner Straße 21

• 18. August, 19 Uhr: Podiumsdiskussion „25 Jahre Rostock Lichtenhagen – Das Pogrom aus antifaschistischer Perspektive“, Peter-Weiss-Haus

• 21. August, 19 bis 23 Uhr: Film und Publikumsgespräch „Wir sind jung. Wir sind stark“, Liwu, Friedrichstraße 23

• 22. August, 13 bis 17 Uhr: Demokratiezelt, Vorstellung der Archivarbeit „Lichtenhagen im Gedächtnis“ von Soziale Bildung und Wand „Mein Zeichen gegen Rassismus in Rostock“, Neuer Markt; 17 bis 19 Uhr: Gedenken in der Marienkirche und Einweihung des Kunstobjekts „Staatsgewalt“
• 23. August, 13 bis 16 Uhr: Demokratiezelt, unter anderem Projekt der Musikschule Vierteltakt „Musik gegen Gewalt“, Neuer Markt

• 24. August, 13 bis 16 Uhr: Demokratiezelt mit Rostock hilft und Awo, Neuer Markt; 17 bis 22 Uhr: Einweihung Kunstobjekt „Gesellschaft“, Hermannstraße/Ecke August-Bebel-Straße

• 25. August, 13 bis 16 Uhr: Demokratiezelt, Ökohaus und Awo, Neuer Markt; 17 bis 18 Uhr: Einweihung Kunstobjekt „Staatsgewalt“, Polizeiinspektion Ulmenstraße 54; 18 bis 20 Uhr: „Nichts gelernt? – Wie Behörden mit Betroffenen von Rassismus umgehen“ im Waldemar Hof; 20.30 bis 22.30 Uhr: Open-Air-Kino „Wir sind jung. Wir sind stark“, Wiese nördlich des Sonnenblumenhauses

• 26. August: Tag der Vielfalt in Rostock
9.45 Uhr am Neuen Markt. Start der Fahrraddemo zu den Kunstwerken, 14 bis 15 Uhr: Einweihung Kunstprojekt „Selbstjustitz“, südlich Mecklenburger Allee 18, 15 Uhr: Wiese nördlich des Sonnenblumenhauses: Stände und Aktionen, Bühnenprogramm: Reden von Bunt statt braun, Ralf Mucha, der Religionsgemeinschaften Rostocks, Vokalquartett Dreydl der jüdischen Gemeinde und andere Musiker, ab 16.30 Uhr: Musiker wie Alex Diehl (Folk-Pop), Isolation Berlin (Protopop), Fightball (Punk), Sookee (Rap), Odeville (Pop/Rock/Indie)

 

 

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