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Ausstellung in Rostock : Lichtenhagen – gestern, heute, morgen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Exposition zum Kunstwettbewerb „Erinnern und Mahnen“ ist ab heute im Rostocker Rathaus zu sehen. Audiowalk zum Pogrom möglich. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 03.Jan.2017 | 21:00 Uhr

In der Rathaushalle ist ab heute und bis 18. Januar eine Ausstellung zum Kunstwettbewerb „Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992“ zu sehen. Gezeigt werden elf Entwürfe von Künstlern und Künstlergruppen aus ganz Deutschland. Die Problematik und damit der Anlass zum Erinnern sei aktueller denn je, findet die Leiterin des Amtes für Kultur, Denkmalpflege und Museen Dr. Michaela Selling. „Wir dachten, es ist überwunden, aber, dass ein solcher Hass hochkommt...“. Der sei gerade in den letzten Monaten, auch um die Landtagswahl herum, präsent geworden. Die Kunst solle aufrütteln – „das kann und darf nie wieder passieren“.

Mitarbeiterin Sarah Linke hatte den Wettbewerb gesteuert, Thomas Werner ursprünglich den Impuls gegeben und das Preisgericht, das letztlich aus 89 Bewerbern, die Finalisten wählte, beraten. „Für die Öffentlichkeit ist es wichtig, zu sehen, was passiert“, sagt Linke, welche Ideen und Beiträge es gibt. In der Ausstellung sind Illustrationen zu den Entwürfen, Kostenpläne, Erläuterungen und wie weit sie kamen zu sehen.

Sieger wurde die Rostocker Künstlergruppe Schaum aus Alexandra Lotz und Tim Kellner. Ihr Projekt „Gestern Heute Morgen“ sieht fünf Quader aus Naturstein vor, deren Gestaltung je einen Aspekt des Pogroms aufgreift – vor dem Rathaus, Sonnenblumenhaus, der Polizeiinspektion Ulmenstraße, dem Ex-Standort des Jugendalternativzentrums in der August-Bebel-Straße sowie in der Richard-Wagner-Straße 1. Für die Realisierung bis zum 25. Jahrestag des Pogroms im August stehen 145 000 Euro zur Verfügung. Die Landeszentrale für Politische Bildung MV förderte das Wettbewerbsverfahren mit 50 000 Euro. Zu den Quadern soll ein kostenloses Kinderbuch rausgegeben werden. „Es geht dabei nicht darum, das Geschehen nachzuerzählen, sondern das Kernthema fehlender Empathie aufzunehmen“, sagt Linke. Zweitplatzierter wurden Stefan Krüskemper aus Berlin und sein Team aus Oscar Ardila, Sahar Qawasmi und Andres Tun. Kernstück des Projekts ist das Einsingen von Zeitzeugenberichten auch durch Lichtenhäger, aus dem sich mit einer App ein Audiowalk ergeben soll – eine Idee, die Kulturamtsvertreter und Preisgericht begeisterte. „Emotional hat es mich richtig gepackt“, sagt Selling. Ein Beispiel wird in der Ausstellung hörbar.

Wenn Montag die Arbeitsgruppe Gedenken tagt, soll thematisiert werden, ob nicht auch diese Idee realisiert und, wie von Bunt statt Braun angeregt, eine Koordinationsstelle für Veranstaltungen geschaffen werden sollte. Für den Kunstwettbewerb hatte 2015 die Bürgerschaft auf Initiative der AG votiert.

Die Ausstellung ist montags bis freitags zwischen 8 und 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Führungen für Gruppen sind nach Anfrage möglich. Am 17. Januar um 18 Uhr findet in der Rathaushalle ein Gespräch mit der Künstlergruppe Schaum statt.



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