rostock : Letztes Geleit für Obdachlosen

Trauerfeier auf dem Neuen Friedhof: Viele Rostocker waren von Bernhard K.s Tod ergriffen.
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Trauerfeier auf dem Neuen Friedhof: Viele Rostocker waren von Bernhard K.s Tod ergriffen.

Ganz Rostock war schockiert: Mitten unter ihnen verbrannte ein Obdachloser auf einer Bank. Obwohl er keine Angehörigen hatte, wurde jetzt eine würdevolle Bestattung organisiert

Er lebte tagsüber auf der Straße, schlief im Obdachlosen-Asyl und war dem Alkohol verfallen. Vor zehn Wochen kam Bernhard K. (62) auf tragische Weise ums Leben. Etwa 20 Freunde gaben ihm jetzt die letzte Ehre.

Am Freitag nahmen sie in einer Trauerfeier auf dem Neuen Friedhof Abschied von Bernhard K. PopChorn, der Chor der Rostocker Rock und Pop Schule, intonierte dort zunächst den Song „Touch Of Silence“ (Berührung der Stille). Danach sangen die beiden 14-jährigen Mädchen Anne und Hanna das Joan-Osborne-Lied „One Of Us“ (Einer von uns), das viele zu Tränen rührte. Auch Hanna, die Augenzeugin des Unglücks geworden war, konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. Pastor Reinhard Scholl hielt anschließend die Grabrede für Bernhard K., und sagte: „Wir ersetzen heute seine Angehörigen, die er leider nicht hatte.“ Auf dem Urnenfeld wurde der Obdachlose dann zur letzten Ruhe gebettet.

Bernhard K. war am Abend des 24. April auf einer Parkbank am Friedrich-Engels-Platz verbrannt. Die Polizei schloss ein Fremdverschulden aus. Vermutlich hatte sich Bernhard K. – damals auf Entzug – beim Hantieren mit Feuerzeug-Gas oder -Benzin sowie einer glimmenden Zigarette selbst in Brand gesetzt. Obwohl Passanten sofort versucht hatten, ihn zu löschen, kam jede Hilfe zu spät. NDR-Journalist Michael Fengler hat dieser schreckliche Unglücksfall besonders berührt. Ihm war der Mann bereits viele Wochen zuvor aufgefallen, wenn er immer frühmorgens zu seiner Stamm-Parkbank wankte. „Begegnet bin ich ihm einmal, als er Hilfe brauchte und niemand helfen wollte,“ so Fengler. Er rief mehrfach den Notdienst.

Nach Bernhard Ks. Tod organisierte der Reporter gemeinsam mit der evangelischen Innenstadtgemeinde einen feierlichen Rahmen für seine Bestattung. „Bernhard wäre sonst allein und anonym bestattet worden. Das wollte ich nicht, denn auch den Schwächsten in unserer Mitte gebührt ein würdiger Abschied unter Menschen.“

Finanziert wurde die Beisetzung vor allem über Spenden. Pastor Scholl: „Das Geld kommt von Verbänden und verschiedenen Leuten, die den Obdachlosen kannten und ihn dort oft gesehen haben. Sein Tod sprach sich schnell herum und viele waren sehr ergriffen.“

Das Schicksal des Obdachlosen hat ganz Rostock bewegt – weil es eben kein Einzelschicksal ist. „Bernhard ist durch alle Distanzen gegangen, ist überall rausgeflogen und war alkoholabhängig“, sagt Pastor Scholl „Jeder weiß, wie schnell man runterkippen und auf die Schattenseite des Lebens geraten kann. Aber niemand kann die Menschenwürde verlieren. Egal, auf welcher Seite man steht. Egal, ob man das gut oder schlecht findet, wie eine Person ihr Leben gestaltet.“

Auch gestern bei der Bestattung von Bernhard K. wurden Spenden für die Obdachlosenhilfe und die Stadtmission gesammelt, die zwei Asyle betreibt.

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