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Phantom-Kampf-Jets : Letzter Auftritt eines alten Kriegers

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Die Luftwaffe mustert Ende des Monats ihre letzten Kampf-Jets vom Typ Phantom aus. Von 1997 bis 2002 sind die Jets auch von Laage aus geflogen. Am Montag ist zur Verabschiedung ein Überflug in Laage geplant.

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erstellt am 14.Jun.2013 | 07:18 Uhr

Wittmund/Laage | Mehr als 40 Jahre zeichnete sie die schwärzliche Räucherspur ihrer beiden Triebwerke in den bundesdeutschen Himmel - von 1997 bis 2002 auch von Laage bei Rostock aus. Ende des Monats ist das nun vorbei, dann mustert die Luftwaffe ihre letzten Kampf-Jets vom Typ Phantom aus.

"Das hat schon eine emotionale Bedeutung, wenn man diese Flugzeuge zum Verschrotten fliegt", sagt Werner Theisen. Der 47-jährige Oberstleutnant ist stellvertretender Kommodore beim Jagdgeschwader 71 "Richthofen" im ostfriesischen Wittmund, dem letzten verbliebenen Phantom-Verband in Deutschland. Und er ist Organisator für das dreitägige Fest, mit dem das stählerne Schlachtross vom 28. bis 30. Juni verabschiedet wird. Am Freitag geht es los mit einem "Spottertag" für Flugzeug-Fotografen, ein Tag der offenen Tür mit Flugprogramm und abendlichem Hallenfest folgt am Sonnabend und am Sonntag gibt es noch eine Serenade auf dem Marktplatz. "Das wird ein großartiger Abschied für diesen Jet und es ist eine gewaltige organisatorische Aufgabe", sagt Theisen, der 1000 Stunden mit der F-4F Phantom in der Luft war.

Als Ende der 60er Jahre im kalten Krieg eine militärische "Aufklärungslücke" ausgemacht wurde, weil der bis dahin genutzte Starfighter den Einsatzforderungen nicht mehr gewachsen war, beschaffte die Bundeswehr in den USA 88 Maschinen der Phantom-Aufklärerversion RF-4E, die in Leck (Schleswig-Holstein) und in Bremgarten (Baden-Württemberg) stationiert wurden.

Anfang der 70er Jahre war die Luftwaffe dann auf der Suche nach einem neuen Jagdflugzeug, da der Starfighter in dieser Rolle ebenfalls nicht mehr genügte. Die Wahl fiel auch hier auf die Phantom. Mit 175 Maschinen der Version F-4F wurden von 1973 bis 1975 vier Luftwaffen-Verbände ausgerüstet, unter anderem auch das "Richthofen"-Geschwader in Wittmund und das damalige Jagdbombergeschwader 35 im rheinland-pfälzischen Pferdsfeld, das 1997 in Laage mit dem Erprobungsgeschwader MiG-29 zum Jagdgeschwader 73 "Steinhoff" zusammengelegt wurde. Der zweisitzige Jet wurde zwar zwischenzeitlich modernisiert und mit besserem Radar versehen, ist aber mittlerweile längst veraltet - immerhin hob die erste Phantom 1958 zum Jungfernflug ab.

Die letzten deutschen Phantoms sind nun älter als das Gros ihrer Besatzungen, die nach und nach wegversetzt und zum Teil auf das Nachfolgemuster Eurofighter umgeschult werden. Die ersten Exemplare des neuen Jägers fliegen schon in Wittmund, und ab 1. Juli werden sie den Alarmrotten-Dienst für den Norden Deutschlands übernehmen und rund um die Uhr sieben Tage in der Woche in 15-Minuten-Bereitschaft stehen, um unverzüglich zum Schutz des Luftraumes starten zu können. Ein ganz besonderes Phantom-Exemplar wird dann aber weiterhin auf dem Flugplatz zu sehen sein: Die erste 1973 ausgelieferte F-4F mit dem Kennzeichen 37+01 ist immer noch im Dienst und hat zum Abschied eine blau-goldene Sonderbemalung bekommen. "Diese Maschine fliegen wir nicht zur Zerlegung nach Jever", sagt Theisen. "Die wird zur Erinnerung hier aufgestellt."

Am Montag verabschieden sich zwei Phantoms mit einem Rundflug von den Luftwaffen-Standorten - und kommen natürlich auch nach MV. Zwischen 10.55 und 11.05 Uhr ist ein Überflug in Laage geplant, zwischen 11.10 und 11.20 Uhr in Neubrandenburg.

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