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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. Oktober 2017 | 12:13 Uhr

Abschied : Leonard sagt endgültig „Good bye“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Letztes Sommerfest für zwölf Künstler und den Intendanten des Volkstheaters. Nachfolger übernimmt das Steuerrad

Intendant Peter Leonard hat sich gestern vom Rostocker Volkstheater verabschiedet – mit einer umjubelten letzten Vorstellung seines Musical-Best-Of „Broadway Highlights“ und einem Sommerfest auf dem Theaterplatz. Vor zehn Jahren kam der gebürtige Amerikaner Leonard ans Volkstheater. Drei Jahre lang war er Generalmusikdirektor. 2008 wurde er der künstlerische Leiter des Hauses. Jetzt läuft sein Vertrag aus. Über Monate hinweg verabschiedete er sich von seinem Rostocker Publikum – mit der Oper „Madame Butterfly“, als Dirigent der Norddeutschen Philharmonie bei der Klassiknacht und gestern mit einem endgültigen „Good bye“.

„Nicht jedem Intendanten ist es gelungen, sich in den Herzen der Rostocker einzunisten“, sagte Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). „Er war ein bisschen Broadway in Rostock“ und er habe ihren Respekt, weil er all die bürokratischen Schwierigkeiten ertragen habe, sagte Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU). Er habe das Haus für ein breiteres Publikum geöffnet – durch „Kultur ist Genuss“ oder auch Konzerte für Schüler. Leonard selbst war wie auch schon während seines letzten Applauses auf der Bühne sichtlich ergriffen.

„Warum machen wir, was wir machen?“, fragte Leonard und blickte auf seine Intendanz zurück. Am Theater hatte er, wie die rund 300 Mitarbeiter auch, Krisen zu bewältigen. Das Theater musste für Umbaumaßnahmen schließen und in ein riesiges Zelt umziehen. „Wir machen es, weil wir daran glauben!“ Das hofft er auch für seinen Nachfolger Sewan Latchinian. Ihm übergab Leonard gestern symbolisch ein Steuerrad. „Das Schiff ist ein bisschen marode, altmodisch. Aber die Besatzung ist stark“, sagt Leonard. Ihr stehe eine neue Zeit bevor, neue Impulse, eine neue Richtung. Latchinian nahm das Steuer an, seine Intendanz beginnt nach der Spielzeitpause – im September. Er wisse zu schätzen, was Leonard geleistet habe und wolle seinen „Kampf“ fortführen – für das Theater. Er sieht nicht nur die Notwendigkeit von vier Sparten, sondern möchte sogar ein Sechs-Sparten-Haus. Mit der Einführung einer Bürger-Bühne und des Figurentheaters tastet er sich langsam heran, will versuchen, sie auch als Sparten zu etablieren – und das in einem Theaterneubau.

Für Leonard ist dann schon eine neue Zeit angebrochen. Er wird Gastdirigent in Breslau, hat kein festes Engagement gewählt, weil er sich mehr seiner Frau widmen will. Der Abschied fiel ihm dennoch nicht leicht. Doch er ist nicht der einzige, der sich vom Volkstheater lösen muss. Drei Tänzer verlassen die Compagnie: Lester René González Álvarez, Daniele Varallo und David Bauer, die gestern noch bei der Vorstellung steppten. Für sie holt Leiterin Katja Taranu Ersatz. Zwei neue Tänzer sind schon geplant. Auch vier Sänger gehen, mindestens zwei neue sollen kommen. Klassisch für diesen Intendantenwechsel ändert sich auch das Schauspiel-Ensemble. Neun neue Schauspieler kommen. Eine Gruppe davon bringt Latchinian aus seinem Haus in Senftenberg mit. Dafür verlassen fünf Schauspieler das Ensemble: Björn-Ole Blunck, Bettina Burchard, Tim Ehlert, David Schirmer und Sonja Dengler.

Auch sie nahmen gestern Abschied. Die Philharmoniker konzertierten, der Chor sang und die Theaterband aus Mitarbeitern spielte auf Leonards Wunsch. So tanzte er zu „Walking by myself“ in seinen Abschied. Aber Leonard wäre nicht Leonard, wenn nicht ein Auftritt doch noch anstehen würde. Am 13. Juli dirigiert er in der Halle 207 ein Fußball-Konzert. Beethoven, Verdi und Strauss erklingen durchsetzt von Fan-Gesängen. Dann folgt ein Public Viewing.

 

 

 

 

 

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