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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 03:43 Uhr

Hobby : Lektor leitet eine Mini-Brauerei

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Henry Gidom stellt im Nebenberuf sein eigenes Bier her und hat sich die Marke Hoppen un Molt gesichert

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Die kleinste Brauerei des Nordens ist gerade ins Technologie-Zentrum Warnemünde eingezogen. Auf 14 Quadratmetern hat Henry Gidom hier sein Hobby mit der Brauerei Hoppen un Molt zum offiziell angemeldeten Nebenerwerb gemacht. Im Alltag ist der 38-Jährige als Lektor im Hinstorff-Verlag tätig und dort vor allem für die Bereiche Maritimes, Ostseekrimis und Sachbücher zuständig.

Beim Geschichtsstudium in Berlin hat der Historiker sich als Forschungsthema mit unterirdischen Anlagen wie den dortigen Brauereikellern beschäftigt. Dadurch wurde zuerst das theoretische Interesse geweckt und schließlich der Wunsch nach dem praktischen Ausprobieren stärker. So entschloss er sich, eine Brauerei im Mini-Format zu gründen. „Es war nicht leicht, Räume zu finden“, sagt Gidom. „Ich bin dem Technologiezentrum daher sehr dankbar, dass ich hier fündig geworden bin.“ An seinen Wochenenden wird der Kopfarbeiter zum Handwerker. Er schrotet das Malz selbst, setzt die Maische an, kocht den Sud, füllt nach zehn Tagen das junge Bier in Flaschen, verkorkt und etikettiert sie. „Das ist ein klassischer Prozess“, sagt er. Marketing-Chefin ist seine Frau Sylvia Joeck, die in der Werbebranche arbeitet. Sie hat die schönen Etiketten für die zwei Sorten Baltic Pale Ale und Brown Ale und alle anderen Artikel entworfen. Der plattdeutsche Name steht für Hopfen und Malz.

Das Bier gibt es in Warnemünde in der Klönstuv bei André Kroboth, dem Enkel von Fernsehfischkoch Rudolf Kroboth. Einziges Restaurant ist der Stromer, dann führen Dit und Dat in der Alexandrinenstraße und die Genusswelt das seltene Bier. „Ich hatte André mal eins zum Kosten gegeben und daraus ist die Zusammenarbeit entstanden“, sagt Gidom. Vor Kurzem saß der junge Bierbrauer mit einem Hoppen-un-Molt-Shirt in der Klönstuv. Da testeten zwei Gäste die beiden Sorten und steckten sich am Ende das Etikett ein. Kellnerin Manja verriet, dass Henry vom Nachbartisch der Brauer ist. Beim Gehen sagten sie ihm, dass sein Bier echt lecker sei. „Da war ich stolz wie Bolle.“

Ein Massenprodukt wird es nie werden, dafür fehlt ihm die Zeit. Denn Gidom will weiter in seinem Beruf tätig bleiben und auch parallel jetzt im November eine Doktorarbeit über die Geschichte der Brauwirtschaft in Berlin einreichen. Was viele nicht wissen: Für den Hausgebrauch darf jeder in Deutschland jährlich 200 Liter brauen. Jeder Sud muss beim Zoll angekündigt und ein Bierprotokoll geführt werden. Es enthält die Biermenge, die Höhe der Stammwürze sowie den Brauort.

Als Gidom noch Brauneuling war, hat er Brauerei-Chef Peter Gliem eine Flasche zum Kosten geschenkt. „Rückblickend würde ich sagen, dass der Hopfenanteil zu hoch war“, vergleicht er. Es wird sich die Gelegenheit für eine weitere Probe finden. Dieses Mal kann sich das Ergebnis sehen lassen, glaubt Gidom.

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