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22. November 2017 | 05:00 Uhr

Lehrlinge in MV arbeiten viel zu lange

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2012 | 11:21 Uhr

Schwerin | Arbeiten an vier Sonntagen im Monat, Arbeitszeiten von zehn Stunden am Tag: Bei stichprobenartigen Prüfungen der Beschäftigungsbedingungen der Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe haben Arbeitsschutzexperten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS) "nur wenige schwerwiegende Verstöße" gegen das Arbeitsschutzgesetz für Jugendliche festgestellt. Insgesamt hätten die Prüfungen in 18 Betrieben ergeben, dass es nur in Einzelfällen "als geringfügig" einzustufende Verstöße gab, teilte das Sozialministerium gestern auf Anfrage mit. Es könne nicht davon gesprochen werden, dass die Branche in großem Stil gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz verstoße. "Neben dem Arbeitsschutz für Jugendliche muss die Branche aber endlich angemessene Löhne und Gehälter bezahlen", forderte Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) gestern.

Mit der Mini-Prüfung bleibt Schwesig hinter den Erwartungen zurück: Nach den im Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Herbst 2011 festgestellten katastrophalen Arbeitsbedingungen für Lehrlinge in Hotels und Gaststätten, hatte die SPD-Politikerin Untersuchungen angekündigt. Die ursprünglich schon für Januar angekündigten Prüfungsergebnisse der Behörde weichen zudem auch deutlich von den Erfahrungen von 2200 befragten Jugendlichen in MV ab. Die Untersuchungsergebnisse der Behörde stünden im "Widerspruch zur Wahrnehmung der Jugendlichen", zeigte sich DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter überrascht von dem mageren Prüfbericht. Der DGB und die Jugendlichen hätten von der SPD-Sozialministerin erwartet, dass nach den erschreckenden Reportergebnissen ein höherer Kontroll- und Ahnungsdruck aufgebaut worden wäre. Denn: Nach den Erfahrung der Lehrlinge mehrten sich in Hotels und Gaststätten die Verstöße. Nicht eingehaltene Lehrpläne, ausbildungsfremde Arbeiten, zu lange Arbeitszeiten: Zwei von drei Lehrlingen arbeiteten mehr als 40 Stunden, obwohl laut Gesetz für junge Leute unter 18 Jahren nicht mehr als 40 Stunden erlaubt seien - in anderen Branchen seien es nur 13 Prozent, ergab eine Umfrage. Außerdem müssten zwei Drittel der Lehrlinge in Hotels und Gaststätten regelmäßig Überstunden schieben, jeder dritte Jugendliche wöchentlich mehr als zehn Stunden zusätzlich. Oftmals bekämen sie dafür nur einen ungenügenden Ausgleich, meinte Schlüter. Ein Drittel erhält der Umfrage zufolge gar keinen Ausgleich.

Indes sehen selbst die Unternehmen Besserungsbedarf: Die aufgedeckten Fälle seien schwarze Schafe, die der gesamten Branche schaden, kritisierte auch der Hotel- und Gaststättenverband die Gesetzesverstöße. "Es kann nicht sein, dass sich einige außerhalb des Rechts stellen", meinte Verbandsgeschäftsführer Uwe Barsewitz.

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