Ungerechtigkeit : Lehrer ist zu alt

Kämpft gegen eine Zweiklassengesellschaft: Berufsschullehrer Gunnar Seidel
Kämpft gegen eine Zweiklassengesellschaft: Berufsschullehrer Gunnar Seidel

Gunnar Seidel ist 41 und kann laut neuem Gesetz nicht mehr verbeamtet werden. Er kämpft nun mit Rechtsmitteln gegen die Ungerechtigkeit.

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16. Juli 2014, 15:00 Uhr

„Nur eine Minderheit profitiert von der Verbeamtung“, sagt Gunnar Seidel. Der Rostocker unterrichtet Informatik und Wirtschaft an der Beruflichen Schule in Schmarl. Gleichzeitig ist er IT-Koordinator, Leiter der schulischen Lenkungsgruppe für Qualitätsmanagement und Mitglied der erweiterten Schulleitung. Er fühlt sich ungerecht behandelt, denn er ist 41 Jahre alt und profitiert damit nicht mehr von der neuen Verordnung, nach der ab 1. August Lehrer bis 40 Jahre in Mecklenburg-Vorpommern verbeamtet werden können.

„Ich habe noch 25 Jahre Schuldienst vor mir und jetzt schon die Endstufe meiner Besoldung erreicht“, sagt Seidel, der Lehrer ist, seit er 29 ist. An seiner Schule seien 18 Prozent der Kollegen zwischen 40 und 45 Jahren und ähnlich unzufrieden. „Eine Lehrerin verlässt sogar das Bundesland“, so der Wirtschaftsingenieur. Die anderen kämpfen für die Verbeamtung bis 45 oder zumindest eine Übergangsregelung: „Wir haben bereits Gewerkschaften, Parteien und das Ministerium angeschrieben“, sagt Seidel. Derzeit befinde er sich sogar im Rechtsstreit mit MV, da er es nicht hinnehmen will, dass seine Verbeamtung aufgrund seines Alters abgelehnt wurde.

Mit der Altersabminderung ab 57 Jahren ist der Lehrer nicht zu motivieren. „Bei uns erhöhten sich die Unterrichtsverpflichtungen bei gleichem Entgelt“, so Seidel. Er möchte jetzt weniger Unterricht haben – und nicht erst in 16 Jahren. Teilweise gebe es immer noch Klassen mit dreißig Schülern – obwohl das Bildungsministerium versprochen hat, „die Schüler-Lehrer-Relation in den beruflichen Schulen zu senken“, wie es im aktuellen Schulmagazin heißt. Auch die Klassenleiter würden noch nicht wie an Regional, Gesamtschulen und Gymnasien durch eine Stunde weniger Unterricht entlastet.

Die 4,5 Millionen Euro, die seitens des Ministeriums den Beruflichen Schulen zukommen, hält Seidel im Verhältnis zu den anderen Schulen für zu wenig. „Entlastung für Klassenleiter und die Rücksetzung der Unterrichtsverpflichtung auf 25 Stunden wären eine Verbesserung“, meint der Pädagoge. Er bleibe deshalb als einziger seiner ehemaligen Kommilitonen in Rostock, weil sein Sohn hier zur Schule gehe und er hier ein Haus habe.

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