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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 16:12 Uhr

Lehramtsanwärter auf dem Prüfstand

vom

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2013 | 09:40 Uhr

Rostock | Lehramtsanwärter an der Uni Rostock müssen neuerdings ein Selbsterkundungsverfahren absolvieren, bevor sie sich um einen Studienplatz bewerben können. Dabei sollen sie herausfinden, ob sie tatsächlich für den Lehrerberuf geeignet sind. Ziel ist es, die Abbrecherquote zu senken. Denn häufig wissen die jungen Leute nicht, welche hohen Anforderungen der Lehrer-Beruf an sie stellt.

Julia Dannehl wollte schon immer Lehrerin werden und ist heute auch auf dem besten Weg in ihren Traumberuf: Sie studiert im zweiten Semester Grundschullehramt mit den Zusatzfächern Kunst und Sachkunde. Die 21-Jährige zählt zu den Ersten an der Uni Rostock, die das neue Selbsterkundungsverfahren durchlaufen mussten. "Ich habe mir schon gedacht, dass es irgendein Auswahlverfahren geben würde. Dass es aber ein Online-Test sein würde, hat mich überrascht", so Dannehl. In sechs kurzen Fragebögen musste die Studentin Fragen wie "Haben Sie für einzelne Kinder oder Jugendliche Freizeitaktivitäten gestaltet?" oder "Stellen Sie sich vor, Sie sind Lehrer. Wie gern würden Sie Anschauungsmaterial für den Unterricht besorgen?" beantworten. Darüber hinaus musste sie ihre Persönlichkeit und ihr Verhalten in bestimmten Schulsituationen einschätzen. "Durch den Test habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen, ob ich wirklich die nötigen Voraussetzungen für den Lehrerberuf mitbringe", sagt Dannehl. Allerdings seien das nur theoretische Überlegungen gewesen. Darum glaubt sie auch, dass ein Praktikum zur Selbsteinschätzung mehr taugt als Fragebögen wie diese. Aus Lehramtsstudenten, die ihre Seminare, Vorlesungen und Übungen immer gut abschließen, werden am Ende nicht zwangsläufig die besten Lehrer. "Erziehung ist eben nicht aus Büchern zu lernen", sagt Dannehl. Darum hat sie auch gleich nach ihrem ersten Semester ein Sozialpraktikum in einem Hort absolviert. Die Studenten können selbst entscheiden, wann sie es machen wollen, spätestens aber nach dem vierten Semester. Das bedeutet, dass angehende Lehrer mitunter erst nach zwei Jahren überhaupt in Kontakt zu Schülern kommen und womöglich erst dann feststellen, dass es doch nicht der richtige Beruf für sie ist.

Dannehl ist sich nach ihrem ersten Praktikum noch sicherer: Lehrerin zu sein ist ihre Berufung. Sie kann den Lehramtsanwärtern von morgen nur raten, schnell praktische Erfahrungen zu sammeln und nicht auf den neuen Selbsterfahrungstest zu vertrauen. Sie selbst hat zudem noch kompetente Hilfe in der Studienberatung gefunden. "Ich hatte ursprünglich darüber nachgedacht, Englisch und Religion auf Gymnasial-Lehramt zu studieren, doch der Studienberater riet mir davon ab", sagt die 21-Jährige. Zu überlaufen seien die Fächer. Die jüngste Lehrer-Bedarfsanalyse hat ergeben, dass bis 2020 Lehrer für Informatik, Arbeit-Wirtschaft-Technik, Musik, Kunst und Gestaltung sowie Sozialkunde gesucht werden. Das gilt besonders für Regionalschulen und Gymnasien. Überhangfächer sind hingegen Deutsch, Mathematik und Sport.

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