zur Navigation springen

Schwerin: Neue Wasserverordnung : Legionellen-Test kommt Mietern teuer zu stehen

vom

Künftig sollen Trinkwasseranlagen in Wohnhäusern auf Legionellen überprüft werden. Die zusätzlichen Kosten müssten auf die Mieter umgelegt werden. Diese Neuregelung sorgt für Kritik.

svz.de von
erstellt am 01.Nov.2011 | 07:34 Uhr

Schwerin | Erst höhere Heiztarife, dann steigende Kosten für den Winterdienst, nun Mehrausgaben für seit gestern geforderte Legionellen-Teste in zentralen Wasseranlagen in Wohnhäusern: Nach einer jetzt in deutsches Recht umgesetzte EU-Regelung müssen künftig zentrale Trinkwasseranlagen in Wohnhäusern auf Legionellen überprüft werden, teilte der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) gestern mit. Derzeit seien die Vermieter aufgefordert, den Gesundheitsämtern Anlagen mit einem Speichervolumen von mindestens 400 Litern zu melden. Die Leitungen müssten künftig jährlich kontrolliert werden.

Das kommt Mietern teuer zu stehen: Schätzungen zufolge müssen allein die VNW-Mitgliedsunternehmen mit ihren 280 000 Wohnungen in Mecklenburg-Vorpommern jährlich etwa sechs Millionen Euro zusätzlich aufbringen. Expertenberechnungen zufolge kostet der Keimtest bei einem Mietshaus mit acht Wohnungen etwa 200 Euro im Jahr. Zudem fallen beispielsweise für den Einbau von zwei Probeentnahmestellen in einem Plattenbau WBS 70 mit 40 Wohnungen bis zu 500 Euro an, teilte VNW-Sprecher Peter Hitpaß gestern mit. Die zusätzlichen Kosten müssten über die Betriebskosten auf die Mieter umgelegt werden.

Die Neuregelung sorgt bei Mietern und Vermietern für massive Kritik. In Deutschland gelte einer der höchsten Trinkwasserstandards, sagte Hitpaß. In die Anlagen sei in den vergangenen Jahren stark investiert worden. Ihm sei in Deutschland kein Leginellen-Fall in Trinkwasseranlagen bekannt, bei dem Mieter geschädigt wurden. „Die neue Verordnung ist des Guten etwas zu viel“, meinte Hitpaß. Die Regelung sei „überdimensioniert“, kritisierte auch Jürgen Fischer, Chef des Mieterbundes Schwerin. „Den Nutzen sehen wir nicht.“ Neben den zusätzlichen Kosten steige der Kontrollaufwand und die Belastungen für die Mieter. Messdaten für die Heizung, Stand des Wasserverbrauchs, Rauchmelderprüfungen: Immer mehr Ablesedienste meldeten sich bei den Mietern zur Kontrolle an, bemängelte Verbandschef Fischer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen