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Lob vom Ministerpräsidenten : Lebensretter am Kabinettstisch

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Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass Maik Oerkvitz seinem Kollegen Maik Burwitz das Leben gerettet hat. Gestern hatte der Rüganer einen Termin bei Ministerpräsident Erwin Sellering. Er bekam Lob vom Minister.

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erstellt am 18.Apr.2012 | 10:20 Uhr

Schwerin/Bergen | Das Aufatmen wirkt ansteckend: Maik Oerkvitz, 25 Jahre, findet seinen Termin bei Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) "gar nicht so schlimm wie erwartet". Mit Herzklopfen und seiner Mutter war der Rüganer gestern Mittag in die Staatskanzlei gekommen, um von höchster Stelle gelobt zu werden - auf nüchternen Magen, "wegen der ganzen Aufregung".

Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass Maik Oerkvitz seinem Kollegen Maik Burwitz das Leben gerettet hat. Der Ministerpräsident erinnert an die "hochgefährliche Situation": Ein Sonnabend Anfang Dezember. Auf Rügen liegt eine leichte Schneedecke. Der Frost der vergangenen Tage hat ein wenig nachgelassen. Im Dörfchen Poseritz droht ein Gülle-Becken überzulaufen, an die sechs Meter breit, mehr als zehnmal so lang und übermannstief. Maik Burwitz muss los, die Jauche abzufahren. Als er den Saugschlauch platziert, rutscht er auf der Böschung aus. Er findet keinen Halt und stürzt in die Grube. Die dicke Winterjacke saugt sich sofort voll, zieht ihn bleischwer nach unten. Maik Oerkvitz schmeißt sich lang auf den Boden, packt seinen Kollegen an der Hand. Er lässt sie nicht mehr los, so lange, bis er den Mann rausgezogen hat. "Unter Lebensgefahr haben Sie sein Leben gerettet", sagt Erwin Sellering und überreicht dem Lebensretter die Belobigungsurkunde des Landes. "Wir brauchen solche Menschen, die entschlossen handeln und damit ein Vorbild sind."

Nie und nimmer hätte sich der zweifache Familienvater Burwitz allein retten können. Er hat ein unverschämtes Glück gehabt. Üblicherweise sind die Einsatzfahrer allein unterwegs. Maik Oerkvitz ist an jenem Sonnabend in die Firma gekommen, um seinen Transporter für die nächste Woche sauber und flott zu machen. "Ist ja schließlich unser Arbeitsplatz." Aus Gefälligkeit geht er mit auf Tour. Nach der Rettung ruft er die Frau seines Kollegen an. Der geht duschen, kehrt zurück, und die Männer bringen ihre Arbeit zu Ende. Vorpommersche Härte? Maik Oerkvitz winkt ab. "Naja." Er kommt an diesem Nachmittag erst viel später als geplant bei seinen Eltern an. Seine Mutter erinnert sich: ",Ohne mich wäre Maik Burwitz wohl nicht mehr’, hat er nur gesagt." Sie ist mächtig stolz auf ihren Sohn, den jüngeren von zwei Jungs. Vater Oerkvitz wäre auch gern dabei gewesen in Schwerin. "Aber er hat Fahrbereitschaft."

Sohn Maik arbeitet seit mittlerweile gut einem Jahr wieder in seinem ursprünglichen Beruf. "Hoch- und Tiefbau", erzählt er dem Ministerpräsidenten. Derzeit asphaltiert die Firma die Ortsdurchfahrt von Binz. Bevor Erwin Sellering wieder in sein Arbeitszimmer entschwindet, legt er seinem Gast noch eine "langfristige Lebensrettung" ans Herz. "Ich hab’ Sie doch vorhin mit einer Zigarette vorm Haus gesehen. Wann wollen Sie denn aufhören zu rauchen", fragt er. "Naja", entgegnet Maik Oerkvitz, "spätestens, wenn ich Vater werde."

Das allerdings dürfte noch ein Weilchen dauern. Derzeit ist er solo und nutzt seine Freizeit, um für den Jagdschein zu pauken. Im vergangenen Herbst hatte er zu seinem neuen Hobby gefunden, oder besser vielleicht umgekehrt. Auf der Baustelle bei einer Jägerfamilie waren ihm die Geweihe aufgefallen. Er erkundigte sich bei den Hausherren, wo wohl solche prächtige Tiere live zu sehen seien. Sie schlugen dem naturinteressierten Handwerker vor, doch mal über eine Betätigung als Waidmann nachzudenken.

Bevor Maik Oerkvitz und seine Mutter die Staatskanzlei verlassen, können sie "Raum 200" besichtigen. Auf dem Kabinettstisch, an dem die Landesregierung regelmäßig tagt, stehen noch die Namensschilder vom Vormittag. Die Staatssekretäre haben beraten. Nach dem Abschied haben Mutter und Sohn nur noch einen Wunsch. Sie steuern direkt auf ein Gasthaus in der Schweriner Innenstadt zu. Höchste Zeit, endlich etwas zu essen - nach der ganzen Aufregung.

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