Gerichtsreport : Lebenslänglich für versuchten Mord

Großaufgebot: Die Polizei rückt mit Teams der Kriminaltechnik, Mordkommission und Spezial-Hunden an. Die Fritz-Reuter-Straße wird weiträumig abgesperrt.
Großaufgebot: Die Polizei rückt mit Teams der Kriminaltechnik, Mordkommission und Spezial-Hunden an. Die Fritz-Reuter-Straße wird weiträumig abgesperrt.

Ohne Vorwarnung soll ein 39-jähriger Mann 18-mal auf eine Prostituierte eingestochen haben. Jetzt droht ihm eine lebenslängliche Haftstrafe.

svz.de von
15. Juli 2014, 06:00 Uhr

Eine lebenslange Haftstrafe – das hat gestern die Rostocker Staatsanwaltschaft für den 39-jährigen Iraker  Maruf Halil M. gefordert. Ihm wird versuchter Mord an der Prostituierten Tatjana W. vorgeworfen. Gemeinsam mit Murat O. (45) soll er in der Nacht des 9. Oktober 2013 die 40-Jährige in der Fritz-Reuter-Straße überfallen und mit 18 Messerstichen in Brust und Bauch schwer verletzt haben. Das Opfer erkannte ihren Peiniger.

Maruf Halil M., der seit vielen Jahren im Kölner Rotlicht-Milieu als Drogendealer tätig ist, lernte Tatjana W. vor zehn Jahren kennen. Sie bezog von ihm regelmäßig Kokain für den eigenen Gebrauch. Auf Drohungen, ihre Schulden zu bezahlen, reagierte sie nicht. Am 9. Oktober sei der Angeklagte nach einem vorgefassten Plan  mit Murat O. von Köln nach Rostock gefahren, erklärte die Staatsanwältin.  Sein Kumpan habe als Freier fungiert und ihn heimlich in die Wohnung gelassen. Maruf Halil M. habe sich sofort auf sein Opfer gestürzt und immer wieder zugestochen. Dann seien beide Männer aus der Wohnung geflüchtet und in hoher Geschwindigkeit mit dem Auto Richtung Autobahn verschwunden. Das bemerkte eine Passantin, die sich Fragmente der Autonummer aufschrieb.

Maruf Halil M. sei mit äußerster Heimtücke und niederen Beweggründen vorgegangen, sagte die Staatsanwältin. Es sei ihm überhaupt nicht mehr um das Geld gegangen, denn in der Wohnung hätten mehrere Tausend Euro gelegen. Es sei eine reine Bestrafungsaktion mit direkter Tötungsabsicht gewesen. In ihrem Plädoyer ging sie auch auf das Verhalten des Angeklagten ein, der zunächst die Tat bestritt, dann in einer Erklärung zugab, auf das Opfer eingestochen zu haben. Eine Woche später widerrief er diese Erklärung und behauptete, überhaupt nicht in Rostock gewesen zu sein.

Den Widerruf hatte der Gefangenenseelsorger der Zeugen Jehovas an der  Postkontrolle vorbei aus dem Gefängnis geschmuggelt. Er darf die JVA nicht mehr betreten und muss jetzt mit einer Anklage rechnen. Die Verteidigung beantragte einen Freispruch, weil ihr Mandant zur Tatzeit nicht in Rostock gewesen sei. Am kommenden Freitag wird das Urteil verkündet.

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