Gerichtsreport : Lebenslänglich für Messerstecher

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Maruf Halil M. ist wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Die Tat trägt nach Ansicht des Richters den Charakter einer Hinrichtung.

svz.de von
19. Juli 2014, 10:00 Uhr

Maruf Halil M. muss wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung lebenslänglich ins Gefängnis. Das Rostocker Landgericht sprach gestern das Urteil gegen den 39-jährigen Kurden. Er muss außerdem 20 000 Euro plus fünf Prozent Zinsen an sein Opfer, die jetzt 40-jährige Kroatin Tatjana W., zahlen.

Das Gericht geht davon aus, dass Maruf Halil M. mit seinem Kumpan Murat O. (45) am 9. Oktober 2013 von Köln nach Rostock fuhr, um die Prostituierte Tatjana W. wegen angeblicher Drogenschulden zu ermorden. Wie zwischen beiden Männern vereinbart, gab sich der 45-Jährige als Freier aus und erhielt Einlass in die Modellwohnung in der Fritz-Reuter-Straße. Mit ihm kam auch Maruf Halil M. ins Haus, versteckte sich aber im Keller. Als der angebliche Freier für ein Telefonat das Schlafzimmer verließ, öffnete er die Wohnungstür und ließ den Angeklagten hinein. Dieser stürzte sich mit einem sechs Zentimeter langen Messer auf Tatjana W. und stieß es sofort tief in ihren Unterleib. Dann würgte er sie mit der linken Hand und stach weitere 17-mal in ihren Hals, die Brust und in die Beine. Sein Opfer erkannte den Messerstecher sofort. „Ali, was machst du“, sagte sie zu ihm. Murat O. zog sich an und verließ fluchtartig die Wohnung. Der Angeklagte stürzte hinterher, da er befürchten musste, dass sein Kumpan ohne ihn die Stadt verlässt. Ein Rostocker Pärchen konnte sich einen Teil der Autonummer merken: K wie Köln und MO wie Murat O. So kamen die Ermittler den beiden auf die Spur. Während Murat O. zugab, dabei gewesen zu sein und seinen Kumpan der Tat beschuldigte, wies Maruf Halil M. jegliche Tatbeteiligung zurück. Er sei nicht in Rostock gewesen.

„Der Angeklagte handelte in Tötungsabsicht“, befand der Richter. Es sei auch kein Raubüberfall gewesen, denn in der Wohnung des Opfers befanden sich mehrere tausend Euro. Maruf Halil M. handelte aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen. Das Tatgeschehen trage den Charakter einer Hinrichtung, so der Richter. Der Angeklagte sei für seine Tat voll verantwortlich, eine Milderung der Strafe komme nicht in Betracht, erklärte er. Tatjana W. hätte die Verletzungen nur überlebt, weil es ihr gelang, auf die Straße zu kriechen und Hilfe zu holen. „Wenn sie in der Haft dabei bleiben, dass sie die Tat nicht begangen haben, dann werden sie nach 15 Jahren nicht entlassen“, sagte der Richter.

Das Schmerzensgeld kann Maruf Halil M. locker zahlen. 26 000 Euro des Kurden fanden Ermittler auf dem Kölner Friedhof, auf dem er zeitweilig gearbeitet hatte.

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