Rostock : Lebenshilfe per Telefon

Es ist weniger der perfekte Ratschlag, als mehr das Zuhören, das den Anrufern hilft, erklärt Benno Gierlich. Der Leiter der Telefonseelsorge ist dort seit 2010 tätig und kennt die Herausforderungen.
Es ist weniger der perfekte Ratschlag, als mehr das Zuhören, das den Anrufern hilft, erklärt Benno Gierlich. Der Leiter der Telefonseelsorge ist dort seit 2010 tätig und kennt die Herausforderungen.

75 Ehrenamtliche arbeiten bei Rostocker Seelsorgestelle. Neuer Kurs für Interessenten beginnt am 19. Januar

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05. Januar 2018, 08:00 Uhr

Trauer, Einsamkeit, Krankheit, Selbstmordgedanken sind es, die Menschen dazu bringen, sich an die Rostocker Telefonseelsorge zu wenden. Im Wesentlichen sei es eigentlich das Zuhören, das Aushalten auch herausfordernder Themen, was die Telefonseelsorge ausmacht, fasst ihr Leiter Benno Gierlich zusammen. „Ich glaube, dass wir einen großen Beitrag dazu leisten, dass Menschen ihr von ihnen als schwer erlebtes Leben leben können.“

1,5 Stellen sind fest in der Seelsorge – die von Benno Gierlich und der Sekretärin. Was die Telefonseelsorge am Leben hält, sind die Ehrenamtlichen, derzeit 75. „Wir kommen einigermaßen hin“, sagt Gierlich. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche will die Telefonseelsorge in Rostock besetzt sein – das gelingt in 90 Prozent der Fälle. Die Mitarbeiter arbeiten zumeist drei Vier-Stunden-Schichten im Monat. Puffer sind einkalkuliert. Aber jedes Jahr scheiden auch Ehrenamtliche, die sich für gewöhnlich für eine Periode von drei Jahren verpflichten, aus. Deswegen startet am 19. Januar ein neuer Kurs für Telefonseelsorger. Er geht über zehn Wochenenden in zehn Monaten und ist vor allem selbsterfahrungsorientiert. „Wie gehe ich mit Trauer um? Kann das auch anderen helfen?“, skizziert Gierlich. Die Dozenten sind Supervisor, Therapeuten, Sozialarbeiter, Suchtberater. Zwei bis drei begleiten einen Kurs. „Man braucht eine große Bandbreite, Toleranz, Interesse, Einfühlungsvermögen für Menschen, die einem fremd sind“, erklärt der Sozialarbeiter, man müsse ein Maß an Selbstreflexionsfähigkeit mitbringen.

Von den aktuell 75 Telefonseelsorgern sind drei Viertel Frauen, im Alter von Ende 20 bis Mitte 70. Unter ihnen sind eine Pastorin, ein Ingenieur, ein Elektriker, Philosoph, Krankenpfleger, Ärzte, Verwaltungsmitarbeiter. Ein Mal im Monat müssen sie zur Supervision. „Es gehört zu unserem Qualitätsstandard dazu, dass man reflektiert, was man da am Telefon tut“, erklärt Gierlich. Alle Ehrenamtlichen, vor allem auch in der Ausbildung, würden davon profitieren. „Sie sagen, dass die Telefonseelsorge auch ihr Leben bereichert“, berichtet Gierlich. Das sei zum einen so, weil sie etwas Sinnvolles tun, helfen, aber auch weil sie einen Einblick in andere Lebenswelten bekommen, Anteil am Leben anderer nehmen, ihren Blick weiten können.

Der neue Kurs zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Telefonseelsorge startet am 19. und 20. Januar.

Interessenten melden sich bei Benno Gierlich: 0381/490 00 29

E-Mail: benno.gierlich@

telefonseelsorge-rostock.de

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