Volkstheater : Latchinian ist entlassen

<p>Joachim Kümmritz nimmt noch jede Herausforderung an – hier mit  „Mala“, die in den „Aida“-Inszenierungen bei den Schweriner Schlossfestspielen dabei ist.  </p>
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Joachim Kümmritz nimmt noch jede Herausforderung an – hier mit  „Mala“, die in den „Aida“-Inszenierungen bei den Schweriner Schlossfestspielen dabei ist. 

Theaterintendant ist fristlos gekündigt worden, weil er dem Haus schade. Nachfolger wird Joachim Kümmritz

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06. Juni 2016, 22:00 Uhr

Sewan Latchinian ist als Intendant des Rostocker Volkstheaters fristlos gekündigt. Hauptgrund: Er verletze die Pflichten eines Geschäftsführers und schade der Theater GmbH – wirtschaftlich und deren Image. Das hatte gestern mehrheitlich der Hauptausschuss auf einer Dringlichkeitssitzung entschieden. Ein überraschender Ergänzungsantrag von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) machte direkt die Nachfolge klar: Neuer Intendant wird für zwei Jahre Joachim Kümmritz vom Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin.

Schon zu Beginn der Sitzung herrschte ungewohnte Einigkeit zwischen Sybille Bachmann von der Fraktion Rostocker Bund, Graue, Aufbruch 09 und Stadtoberhaupt Methling. Sie hatte den Antrag eingebracht, der ihm nur recht kam. Die beiden stimmten sich final ab. Viele andere Mitglieder von SPD, CDU und UFR wirkten gelöst – „Es ist ja nicht das erste Mal“, so Steffen Wandschneider (SPD). Im Februar wie auch bereits rund ein Jahr zuvor war die fristlose Kündigung debattiert worden. Die Frage, spätestens seit April, war für Latchinian und die Stadt nicht, ob er gehen will beziehungsweise soll, sondern wie teuer das wird. 150 000 Euro Abfindung, wie vertraglich vorgesehen, wollte Latchinian. Das hatte die Politik mehrheitlich abgelehnt. „Eine Trennung ist daher formal nur mittels Abberufung möglich“, machte Bachmann klar. In ihrem Antrag dazu, der Gegenstand der Sitzung war, trug sie rechtlich haltbare Gründe für die Abberufung zusammen.

Kümmritz wird im Sommer in Schwerin frei, hat derzeit noch einen Vertrag in Neustrelitz als Intendant für zwei Tage die Woche. „Bei einer solchen Anfrage müssen zuerst die Gesellschafter der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz gefragt werden“, sagt Kümmritz, räumt aber ein: „Wenn ich um Hilfe gebeten werde, habe ich noch nie Nein gesagt.“

Weniger glücklich mit der Entscheidung: Die Grünen. Fraktionsspitze Uwe Flachsmeyer hatte sich gegen die Abberufung Latchinians ausgesprochen. „Grundsätzlich ist es schade für beide Seiten, dass wir es nicht schaffen, einen Intendanten langfristig zu halten.“ Dennoch sei die aktuelle Situation wahrscheinlich eine Chance. „Trotz aller Kritik, die kommen wird, da Kümmritz aus Schwerin kommt, wird das Rostocker Theater mit ihm wieder Handlungsspielraum bekommen“, so Flachsmeyer. Die Linken hatten sich bei beiden Abstimmungen enthalten.

Der Theaterbetriebsrat hofft nun, „dass endlich Ruhe einkehrt“, sagt Vorsitzender Ingo Templin. „Herr Kümmritz ist eine anerkannte und verdiente Persönlichkeit in der Theaterlandschaft MVs. Zumindest schon mal, was das Fachliche anbelangt, ist er eine gute Wahl“, sagt Templin. Der Betriebsrat werde vertrauensvoll mit ihm zusammenarbeiten.

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