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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 16:13 Uhr

Landwirte können nur an Regentagen ausschlafen

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2013 | 04:28 Uhr

Harmstorf | Zwei Internetseiten ruft Bernd Kolodzeike in diesen Tagen immer wieder auf: den Wetterbericht und die Kurse an der Börse. Der Landwirt aus Harmstorf kann anhand der Daten den bestmöglichen Einsatz seiner Erntehelfer planen. Und auf dem Weltmarkt sehen, was das Getreide in diesem Jahr einbringt.

Seit vergangenem Sonntag läuft auf seinen Feldern rund um Bentwisch die Ernte. Die letzten 30 Hektar Wintergerste haben die Mitarbeiter von Kolodzeike und seinem Partner Joachim Riemer bis heute eingefahren. Der Regen am Mittwoch und die dadurch entstandene Zwangspause wegen der Feuchtigkeit auf den Äckern hat sie nur unwesentlich zurückgeworfen. "An solchen Tagen können alle mal ausschlafen", sagt der Unternehmer. Wobei in seinem Betrieb, der neben 600 Hektar für Ackerbau auch auf die Tierproduktion setzt, sowieso erst ab Mittag auf die Felder gefahren wird. "Wir haben keine Möglichkeit zur Trocknung des Getreides und nutzen deshalb das natürliche Sonnenlicht", so der Landwirt.

Kolodzeike ist seit 1990 in Harmstorf. Nach dem Studium der Tierproduktion in Rostock fing er bei der LPG an. Nach der Wende wurde die zur Agrargenossenschaft, bevor 1996 Kolodzeike und Riemer den Betrieb kauften und selbst zu Gesellschaftern wurden. Von Anfang an dabei ist auch Robert Koch, der mit dem betriebseigenen Mähdrescher die Gerste einholt. Im Fahrerhaus der gut 250 000 Euro teuren Landmaschine hat sich Koch ein bisschen persönlich eingerichtet. Aufkleber des FC Hansa Rostock zeugen von seiner Liebe zum Fußballverein der Hansestadt. Verpflegung muss er dagegen nicht mit auf den Acker nehmen. Denn im Harmstorfer Betrieb werden die elf Mitarbeiter versorgt. Das Mittagessen wird von einer Kantine im Ort geliefert, zum Abendbrot die Stullen im Betrieb selbst geschmiert und zu den fleißigen Arbeitern gebracht. Neben den Menschen leistet auch die Technik momentan eine Menge. Kolodzeike bilanziert bei der Gerste zehn Prozent mehr Ertrag als in Durchschnittsjahren. Beim Stroh hätte die Hitze allerdings den gegenteiligen Effekt gehabt und die Halme zusammenschrumpfen lassen. Deswegen ist Kolodzeike beim Wetterbericht auch gespaltener Meinung. Schließlich hat er auch Grünland, das sich über Regen freut. Und auf das Ausschlafen können die Landwirte während der zeitlich begrenzten Ernte auch mal verzichten.

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