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LFA MV/Institut für Fischerei

Ostseebad Nienhagen : Forscher tüfteln an Lösung gegen sinkende Dorschpopulation

Ein künstliches Riff der LFA vor Nienhagen gibt Hoffnung auf steigende Fischbestände.


von
09. Februar 2020, 05:00 Uhr

Mit einem Stinkefinger auf der europäischen Flagge und der Aufschrift "Fishermans Grave" (Fischers Grab) hat ein Warnemünder Fischer in der vergangenen Woche seinem Frust über die drastischen Einschnitte bei den Fangquoten für Dorsch Luft gemacht. Regelmäßig erhitzt das Thema die Gemüter und bedroht die Existenz hauptberuflicher Fischer. An einer möglichen Lösung für dieses Problem forscht Thomas Mohr.

Der Mitarbeiter der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) leitet seit 2002 das Projekt Künstliches Riff Nienhagen und sieht seine Forschung als aktive Maßnahme im Dorschmanagement in der Ostssee. "Nachdem in der Anfangsphase viele bauliche Maßnahmen erfolgten und wir öfter nachjustieren mussten, haben wir bis 2015 nachgewiesen, dass das Riff dem Fischbestand nutzt, da sich neben der Ansiedlung von vielen heimischen Fischen ein erhöhtes Aufkommen vor allem von Jungdorschen, doppelt so viele wie in einem gleichzeitig beprobten Referenzgebiet, feststellen ließ", so Mohr.

Thomas Mohr/LFA MV Institut für Fischerei

Auf einer Strecke von 40 Kilometern wurden zwischen Kühlungsborn und Dierhagen in einem Abstand von 1800 Metern Fallen aufgestellt.


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Dorschpopulation ist gestiegen

Im Zeitraum von 2016 bis 2018 bestimmten die Forscher dessen Wirkung. "Wir haben uns angesehen, wie sich das Riff auf den Dorschbestand auswirkt und haben von Kühlungsborn bis nach Dierhagen in bestimmten Abständen Fischfallen aufgestellt, die damit lebend gefangenen Fische entnommen, markiert und wieder zu Wasser gelassen. Um die 90 Prozent der markierten Dorsche sind wieder in der gleichen Falle gelandet, selbst nach 406 Tagen", erklärt der Projektleiter, der darin den Beweis sieht, dass die Dorsche zwar wandern, aber doch eine hohe Standorttreue aufweisen. "Die Fangstatistik der Fischfalleneinsätze zeigt, dass östlich und westlich vom Riff eine erhöhte Dorschpopulation zu verzeichnen ist.".

Daten helfen, den Bestand einzuschätzen

Die Forscher vermuten, dass die Dorsche bereits vor ihrem ersten Lebensjahr das Riff verlassen und in die nähere Umgebung wandern. "Die Jungdorsche sind noch zu klein für die Fallen und können entweichen und so müssen wir jetzt mit Multimaschennetzen arbeiten, um zu Ergebnissen zu kommen", erklärt Mohr.

Anhand der gesammelten Daten sei es den Wissenschaftlern möglich, für das Gebiet zwischen Kühlungsborn und Dierhagen eine Einschätzung über den Dorschbestand zu geben - inklusive darüber, wie sich dieser durch das Riff erhöht habe. "So lässt sich auch der Wert des Riffs anhand der Preise, die ein Fischer für ein Kilogramm Dorsch auf dem Markt erzielt, beschreiben", sagt Mohr.

LFA MV/Institut für Fischerei

Unterhalb der Arbeitsplattform am Riff wurden sogenannte Kollektoren installiert, an die sich die Muscheln setzen und wachsen.


Miesmuschelproduktion am Riff Nienhagen

In der derzeitigen Projektphase geht es aber nicht mehr nur allein um den Fisch. Auch die Aquakultur findet Platz in dem Forschungsprojekt. In dem Riff erproben die Wissenschaftler ein Verfahren zur Miesmuschelproduktion in Kombination mit einer Fischzucht. Dazu werden sogenannte Kollektoren unterhalb einer Arbeitsplattform installiert und darüber Netze mit Fischen gespannt. Durch das Füttern der Fische bekommen auch die Miesmuscheln Nahrung.

Im Anschluss wollen die Forscher dann prüfen, inwieweit sich die Muscheln, die auch den Hauptteil der Bewuchsbiomasse am Riff ausmachen, zum Beispiel für die Tierfutter- oder als Basis für andere Eiweißproduktionen verwerten lassen können. "Noch gibt es keine konkreten Ergebnisse. Wir rechnen erst im Herbst mit klaren Resultaten", so der Projektleiter der Miesmuschel-Aquakultur Florian Peine.

LFA MV/Institut für Fischerei

Ostseebad Nienhagen : Forscher tüfteln an Lösung gegen sinkende Dorschpopulation

von 09. Februar 2020, 05:00 Uhr

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