Kavelstorf : Alba-Mitarbeiter streiken für mehr Lohn

Seit Donnerstagfrüh streiken die etwa 80 Alba-Mitarbeiter in Kavelstorf.
Seit Donnerstagfrüh streiken die etwa 80 Alba-Mitarbeiter in Kavelstorf.

Die 80 Mitarbeiter legen seit Donnerstagfrüh die Arbeit nieder. Müllentsorgung könnte dadurch erheblich gestört werden.

von
21. November 2019, 10:04 Uhr

Kavelstorf | Am Donnerstag bleiben die Gelben Tonnen voll. Grund ist ein Streik der rund 80 Beschäftigten der Kavelstorfer Betriebsstätte der Alba Nord GmbH. Sie haben ihre Arbeit am Donnerstag seit etwa 6 Uhr stillgelegt."Der Streik wurde notwendig, weil die Arbeitgeberseite nach der zweiten Verhandlungsrunde am 12. November erklärte, keinen Tarifvertrag abschließen zu wollen", teilt das Rostocker Bezirksbüro der Gewerkschaft Verdi mit.

"Wer bis 2025 die Nummer 1 der Entsorgungsbranche werden will, darf bei der Bezahlung seiner Beschäftigten nicht das Schlusslicht in der Branche sein. Wie auch an anderen Standorten, weigert sich die Unternehmensführung beharrlich für den Standort Kavelstorf einen Tarifvertrag abzuschließen", kritisiert Mathias Bialuch, Verdi-Verhandlungsführer und zuständig für die Ver- und Entsorgungsbranche in MV.

Stundenlöhne von mindestens 12,50 Euro gefordert

Die Kavelstorfer Alba Betriebsstätte hat rund 80 Beschäftigte und ist unter anderem für die Entsorgung der Gelben und Blauen Tonne sowie für Gewerbemüll, Containerdienste und vieles mehr im Landkreis Rostock zuständig. Die Betriebsstätte hat mehrere Standorte, unter anderem in Güstrow. Die Gewerkschaft rechnet daher mit erheblichen Beeinträchtigungen im gesamten Entsorgungsgebiet, vor allem im Raum Gnoien, Jörnstorf, Teterow und Laage.

Bei der Entsorgung unter anderem der Gelben Tonne könnte es im Landkreis Rostock zu Beeinträchtigungen kommen.
Andrea Warnecke
Bei der Entsorgung unter anderem der Gelben Tonne könnte es im Landkreis Rostock zu Beeinträchtigungen kommen.

Aktuell gelänge es Alba tagtäglich nur unter größten Anstrengungen alle Mülltouren zu fahren, weil es oft an ausreichend Personal dafür fehlt, so Verdi. Der Kraftfahrermangel in der Gesamtbranche wirke sich bei einem Betrieb wie dem Kavelstorfer, der Löhne auf Branchenmindestlohnniveaus von etwa zehn Euro zahlt, noch stärker aus. In Betrieben mit Tariflohn in MV wie zum Beispiel bei Remondis Seenplatte werden Löhne zwischen 12,15 bis 13,51 Euro oder bei der SAS bis zu 15,42 Euro für Kraftfahrer gezahlt. Im Öffentlichen Dienst liegt der Lohn sogar noch höher bei aktuell 14,06 bis 17,51 Euro.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Alba-Beschäftigten innerhalb weniger Monate gewerkschaftlich organisiert und fordern einen Tarifvertrag, der Stundenlöhne zwischen 12,50 und 15,50 Euro vorsieht.

Alba will betriebliche Lösung

Die Unternehmensführung strebt jedoch eine betriebliche Lösung an. Elf Euro pro Stunde betrachte das Unternehmen hier als auskömmlich, kritisiert die Gewerkschaft. "Am liebsten würde man dies mit den Betriebsräten vereinbaren, was den Betriebsräten jedoch durch Betriebsverfassungsgesetz untersagt ist. Die Regelungsbefugnis der Betriebsparteien wird wesentlich durch den so genannten Tarifvorrang eingeschränkt. Arbeitsentgelte und sonstige Arbeitsbedingungen, die durch Tarifvertrag geregelt sind oder üblicherweise geregelt werden, können grundsätzlich nicht Gegenstand einer Betriebsvereinbarung sein. Nichtsdestotrotz scheint dies keine unübliche Praxis bei Alba zu sein. Einige Betriebsräte haben solche, aus unserer Sicht ungültigen, Vereinbarungen unterschrieben. Der überwiegende Teil der Betriebsräte des Standorts Kavelstorf konnte jedoch bis jetzt den Avancen des Arbeitgebers widerstehen", schildert Verdi die Situation.

Sollten die Verhandlungen ins Stocken geraten, ist Verdi bereit, den Arbeitskampf auszuweiten.
Julian Stratenschulte
Sollten die Verhandlungen ins Stocken geraten, ist Verdi bereit, den Arbeitskampf auszuweiten.

Bereit, Arbeitskampf auszuweiten

"Die Unwissenheit und die, durch die niedrigen Löhne bei Alba, herbeigeführte finanzielle Not der Beschäftigten für höchstfragwürdige Vereinbarungen mit den Interessenvertretern auszunutzen, ist unverantwortlich gegenüber den Kollegen. Ein Unternehmen wie Alba sollte eigentlichen die Regeln kennen und einhalten. Bei einem Durchschnittslohn von etwa. 2500 Euro in MV und rund 3500 Euro bundesweit trägt Alba mit ihrem Verhalten dazu bei, dass MV weiterhin die rote Laterne im bundesweiten Lohnvergleich erhält – und das im kommunalem Auftrag", kritisiert Verhandlungsführer die Haltung der Arbeitgeberseite sowie die Weigerung zu Tarifverhandlungen. "Verdi ist zu Verhandlungen bereit. Der Ball liegt nun im Feld der Arbeitgeberseite. Sollte Alba nicht reagieren, werden wir den Arbeitskampf ausweiten", so Bialuch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen