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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 19:02 Uhr

Landeshilfe für Schlecker

vom

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2012 | 08:07 Uhr

Schwerin | Hoffnung in der Krise: Nach dem Scheitern der Finanzhilfen für 11 000 Beschäftigte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker erhalten in Mecklenburg-Vorpommern in diesen Tagen offenbar weniger Beschäftigte die Kündigung als bislang angenommen. So sollen landesweit von den Entlassungen 199 Mitarbeiter betroffen sein, erklärte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesagentur für Arbeit gestern gegenüber unserer Redaktion. Zudem sollen fünf Filialen weniger geschlossen werden - insgesamt 55. Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi waren bislang von 250 Kündigungen ausgegangen. 516 Mitarbeiter will Schlecker in MV weiter beschäftigen.

Die jetzt von Kündigung betroffenen Mitarbeiter sollten sich sofort bei den Arbeitsagenturen melden, um schnell mit der Vermittlung auf freie Jobs oder mit Qualifizierungsmaßnahmen beginnen zu könne, sagte Haupt-Koopmann. Die Jobchancen für die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter seien besser als angenommen. So habe es in ersten Gesprächen mit Wettbewerbern der Drogeriekette "positive Signale" gegeben, Schlecker-Mitarbeiter zu übernehmen. Haupt-Koopmann: "Ich sehe der Vermittlung entspannt entgegen." Zudem gebe es im Handel in MV derzeit 550 offene Stellen. Hilfe auch vom Land: Bereits in den nächsten Wochen würden Arbeitsagenturen und Arbeitsministerium regionale Jobbörsen organisieren und die Beschäftigten durch besondere Trainings für die anstehenden Bewerbungs- und Vermittlungsherausforderungen fit machen und begleiten, kündigte Arbeitsministerin Manuela Schwesig gestern an: "Wir lassen die Betroffenen nicht alleine und werden alles versuchen, dass sie nicht lange arbeitslos bleiben müssen."

Schwesig bedauerte, dass die Auffanggesellschaft für die von der Kündigung bedrohten Schlecker-Mitarbeiterinnen doch nicht zustande gekommen sei. Während viele andere Länder und auch Mecklenburg-Vorpommern mit ihren Bürgschaftsangeboten ihre Bereitschaft für eine solidarische Bundeslösung unterstrichen, blockierten Niedersachsen, Sachsen und zuletzt Bayern die Einrichtung einer Auffanglösung, kritisierte sie: "Hier zeigen sich FDP-Wirtschaftsminister in drei Bundesländern ideologisch verbohrt und lassen damit zu, dass 11 000 Beschäftigten gekündigt werde und die Zukunft des Unternehmens mit großen Fragezeichen versehen wird."

Die Schlecker-Mitarbeiter stehen dennoch vorerst vor einer ungewissen Zukunft: Die Beschäftigten hätten in den Transfergesellschaften weitergebildet und bei der Suche nach einem neuen Job unterstützt werden sollen. Doch dafür wäre ein Kredit von 70 Millionen Euro nötig gewesen, den die Länder durch Bürgschaften hätten absichern müssen. Dazu kommt es nicht. Experten erwarten, dass zahlreiche Betroffene nun Kündigungsschutzklagen gegen Schlecker einreichen werden. Das könnte mögliche Investoren abschrecken. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz appellierte deshalb an die Entlassenen, nicht vor Gericht zu ziehen.

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