Landärzte befinden sich im Teufelskreis

Der Rostocker Medizinprofessor Attila Altiner:  'Allgemeinmedizin ist ein wunderbares Fach.' dpa
Der Rostocker Medizinprofessor Attila Altiner: "Allgemeinmedizin ist ein wunderbares Fach." dpa

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20. September 2012, 09:07 Uhr

Rostock | Die Situation der Landärzte in Deutschland ist das Hauptthema der 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Rostock.

Landärzte in unterversorgten Regionen Deutschlands befinden sich nach Einschätzung des Rostocker Medizinprofessors Attila Altiner oft in einem Teufelskreis. "Um da herauszukommen, müssen sie ihre Kräfte effizienter einsetzen", sagte Altiner.

Wegen der sinkenden Zahl von Haus- und Landärzten müssten die verbleibenden Mediziner immer mehr Patienten in immer kürzeren Zeitfenstern behandeln. "Dafür bekommen sie zwar ein bisschen mehr Geld, haben dafür aber weniger Zeit für die Erarbeitung eines Behandlungskonzepts", so Altiner. Die Folge davon sei, dass die Kranken auch im internationalen Vergleich viel zu oft in der Praxis auftauchen. "Wir schaffen es manchmal nicht einmal, mit ihnen eine kurzfristige Perspektive zu entwickeln."

Es sei sinnvoll, wenn sich Ärzte zum Beispiel einmal im Jahr für zirka eine halbe Stunde mit ihren Patienten zusammensetzen und gemeinsam einen Therapieplan entwickeln. Dabei kann es um die individuelle Medikamenteneinstellung bei chronischen Erkrankungen gehen, aber auch darum, was für die Patienten den größten Gewinn an Lebensqualität bringt.

Trotz der Probleme sind einer Studie der Rostocker Uniklinik zufolge 75 Prozent der 1133 Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern glücklich mit ihrem Beruf, die Arzt-Patienten-Beziehung in der Hausarztpraxis werde als gut empfunden. "Zusätzlich holen wir mit Nachwuchsakademien oder Sommerschulen die jungen Ärzte ins Boot und sagen ihnen: "Allgemeinmedizin ist ein wunderbares Fach, und auch auf dem Land bist Du nicht isoliert."

Teamarbeit sei gefragt, forderte Altiner. Das gelte sowohl für die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten als auch mit nicht-ärztlichen Berufsgruppen. Eine große Rolle spiele dabei die neue Berufsgruppe der medizinischen Fachangestellten, die Ärzten bei der Untersuchung, Behandlung und Beratung von Patienten zur Seite stehen und gleichzeitig für organisatorische und Verwaltungsarbeiten verantwortlich sind. An dem dreitägigen wissenschaftlichen Kongress in Rostock nehmen noch bis morgen 400 Allgemeinmediziner und Hausärzte aus Deutschland, aber auch dem Ausland, unter anderem den USA, teil.

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