Förderung via Crowdfunding : Land will Kultur demokratisieren

Was viele wollen, soll in der Kulturlandschaft des Landes eine Chance bekommen – mit vereinten Kräften.
Foto:
Was viele wollen, soll in der Kulturlandschaft des Landes eine Chance bekommen – mit vereinten Kräften.

Minister probiert Förderung via Crowdfunding. Kunstverein Rostock sieht Bedarf in der Hansestadt

von
17. August 2016, 12:00 Uhr

Das Bildungsministerium initiiert ein Crowdfunding-Programm für Kulturschaffende in Mecklenburg-Vorpommern. Es soll deren Projekte unterstützen, indem es jeden von ihnen per Schwarmfinanzierung gesammelten Euro verdoppelt. Damit soll gerade auch kleineren Kulturprojekten eine Chance geboten werden.

„Das ist eigentlich eine Demokratisierung der Kulturförderung“, sagt Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Die Bürger, die an Kultur partizipieren, entscheiden, ob ein Projekt gefördert wird, ob sie es mittragen. Bedarf dafür – gerade auch in der Hansestadt – sieht der Rostocker Kunstverein. „Ich finde Crowdfunding eine tolle Sache, vor allem zur Unterstützung von kleineren Projekten von einzelnen Künstlern, für die Förderanträge zu aufwändig sind“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas Häntzschel. Er schließt nicht aus, dass das auch für den Kunstverein eine Option ist, um etwa Begleitkataloge zu Ausstellungen zu ermöglichen, die sonst zu kostspielig für den Verein wären. „Wichtig ist, dass es eine Zusatzförderung ist und bleibt“, betont Häntzschel. Das Konzept könne Kulturförderung auf Kommunal- und Landesebene nicht ersetzen, eben weil Kultur auch zum Bildungsauftrag gehöre, meint der Vereinsvorsitzende.

Begriff und Verbreitung: Crowdfunding
Der Begriff Crowdfunding (engl. für Menge und Finanzierung) meint eine Art Schwarmfinanzierung. Über das Internet, zumeist über größere und kleinere Plattformen, werden Sammelspenden für Projekte oder Produkte eingeworben, die ohne diese Finanzierung nicht zustande kämen. Unterstützer bekommen meist ein Dankeschön, eine Gegenleistung, eine Vergünstigung oder finanzieren sich mit ihrer Spende ein Produkt oder eine Teilnahme vor. In Deutschland fand Crowdfunding Anfang der 2000er-Jahre Verbreitung. Seit 2015 gibt es sogar eine IHK-Ausbildung zum Crowdfunding Manager.

Insgesamt stehen dem Programm zunächst 50 000 Euro jährlich zur Verfügung. Für den Anfang sollen Lose von bis zu 5000 Euro vergeben werden, erklärt Minister Brodkorb. Kreative und Kulturschaffende können sich mit einer Projektbeschreibung ihrer Idee melden. Voraussetzung ist, dass das Projekt gemeinnützig ist, nicht auf Profit orientiert. So könnte beispielsweise eine Lesungsreihe gefördert werden. Wenn für deren Organisation und Umsetzung 2000 Euro benötigt werden, bezuschusst das Programm des Landes das Projekt mit 1000 Euro, wenn ebenso viel über das Crowdfunding eingeworben wird. „Das Projekt startet nächstes Jahr mit der Ehrenamtsstiftung“, sagt Brodkorb. Diese hat mit dieser Finanzierungsart bereits Erfahrungen und würde eine unbürokratischere Umsetzung hinbekommen, als wenn das Programm direkt beim Land bliebe, meint Brodkorb.

Neu sei Crowdfunding natürlich in Rostock nicht – auch in der Kultur. Ende letzten Jahres waren Mitglieder des Kunstvereins bei einem derartigen Projekt zur Unterstützung des Volkstheaters beteiligt. Siebdruckmappen wurden erstellt. Organisiert wurde das über das Portal Rostock Republic, das mit seinem Crowdlabor aus Kreativen sogar einen achtköpfigen Beirat für Crowdfundingprojekte unterhält.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen