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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 00:23 Uhr

Land streicht S-Bahn in den Seehafen

vom

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2012 | 07:36 Uhr

Rostock | Jetzt erreicht der Kahlschlag im Schienenverkehr auch Rostock: Die S-Bahn-Linie zwischen dem Hauptbahnhof und dem Seehafen wird zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember komplett eingestellt. Das kündigt das Verkehrsministerium im Zuge seiner Neuausrichtung im öffentlichen Personennahverkehr an. Sprecher Steffen Weh ner begründet die Streichung mit der geringen Auslastung: "Diese Strecke ist eine der am geringsten nachgefragten in MV - mit unter 20 Fahrgästen je Zug." Und die Zahl sinke weiter.

Dazu trage auch die hausgemachte Konkurrenz durch das Easy-Way-Ticket bei. Das wurde im Mai 2011 eingeführt und ermöglicht es Reisenden, per Bus ohne Zwischenstopp ab dem Kröpeliner Tor oder Hauptbahnhof bis direkt an die Fähre und dann weiter bis nach Gedser und Nykøbing zu fahren. Nach den Strecken Neustrelitz-Mirow und Schwerin-Hagenow-Stadt ist die Verbindung in den Seehafen damit die dritte, die das Land komplett streichen will. Auf weiteren Linien wird der Fahrplan ausgedünnt. "Grundlage für die Entscheidung waren die Fahrgastzahlen in den Zügen", sagt Wehner. Das Land werde dank der Kürzungen jedes Jahr 1,64 Millionen Euro sparen.

Für Rostocks Bausenator Holger Matthäus (Grüne) hingegen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. "Wenn Rostock international Anschluss halten will, brauchen wir auch eine Zugverbindung in den Seehafen", sagt er. Statt zu streichen, müsse die Linie eher noch ausgebaut werden. "Wir wollen die Endhaltestelle an die Kaikante verlegen, die Situation jetzt ist völlig indiskutabel", so der Senator. Damit liegt er auf einer Linie mit Marcel Drews, dem Landesvorsitzenden des Fahrgastverbands Pro Bahn. "Wir hatten immer argumentiert, dass man das Angebot auf der Strecke attraktiver machen sollte, damit der Verkehr gerechtfertigt ist", sagt Drews. Denn eigentlich sei die S-Bahn der ideale Zubringer zu den Fähren im Seehafen. Dass sie von den Passagieren in der Vergangenheit kaum angenommen wurde, liege an den umständlichen Umsteigevorgängen vor Ort. Statt bis an die Terminals zu fahren, halten die Züge rund einen Kilometer entfernt. Die restliche Strecke müssen die Fahrgäste zu Fuß oder mit dem Bus bewältigen. "Bei Wind und Wetter macht das der Normalreisende nicht mit", so Drews. Stattdessen fahre er gleich mit dem Auto oder weiche auf Verbindungen aus, die gleich in andere Städte führen. "Sonst wäre die Auslastung deutlich höher", sagt Drews. Außerdem gebe es noch enorme Wachstumsmöglichkeiten, da Scandlines seine Fährverbindung nach Gedser derzeit ausbaue und sie künftig im Stundentakt bedienen wolle.

Drews kritisiert generell die Landespläne. "Mit abgestimmten Verknüpfungen der Strecken untereinander hätte man auch bessere Einnahmen und könnte auf Kürzungen verzichten", sagt er. Gerade im Bereich der Betriebskonzepte sei noch Potenzial vorhanden. "Ausschließlich auf neues Wagenmaterial zu setzen, wird nicht reichen", so Drews.

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