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24. November 2017 | 08:44 Uhr

Lafontaines Rückzug

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erstellt am 22.Apr.2013 | 08:01 Uhr

Saarbrücken | Oskar Lafontaine wie er leibt und lebt. Selbst seinen Rückzug aus der Bundespolitik begründete er mit seinem Frust über weltpolitische Themen. Zehn Minuten lang dozierte der 69-Jährige am Montag vor der Presse im Saar-Landtag über sein "Bretton-Woods"-Konzept zur Neuordnung der europäischen Finanzmärkte mit festgeschriebenen Wechselkursen. "Dafür sehe ich keine Realisierungschancen auf Bundesebene." Darum auch sein Verzicht auf eine erneute Bundestagskandidatur.

Die Absage Lafontaines kam knapp zwei Wochen vor der Aufstellung der Saar-Landesliste, der letzten in einem Landesverband. Hätte er gewollt, hätten alle anderen ihrer Leitfigur den Vortritt gelassen.Seine Kandidatur hätte nicht nur den Linken im Saarland viele Wählerstimmen gebracht. Nach Auffassung vieler Genossen trübt die Absage jetzt auch die Aussichten für die Linken in anderen Westländern. Zuletzt hatte Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi erklärt: "Wenn er kandidiert, dann unterstützt uns das."

Gysi liegt seit längerem mit seinem früheren Freund über den Weg der Partei aus pragmatischeren Ost- und fundamentalistischeren West-Mitgliedern über Kreuz. 2012 hatte Lafontaine nach langem Taktieren auf eine Kandidatur für den Bundesvorsitz verzichtet.

Enttäuschung gebe es in der Politik immer, aber mit seinen Auseinandersetzungen mit Gysi und Co. habe seine jetzige Entscheidung nichts zu tun, versicherte Lafontaine. Allerdings klang ein wenig gekränkte Eitelkeit durch: "Ich hatte vor einem Jahr ja angeboten, die Karre aus dem Dreck zu ziehen."

Gleichzeitig machte "Lafo" am Montag deutlich, dass er nur wenig Chancen für die Linkspartei sieht, ihre Politik umzusetzen. Zwar habe sie in den vergangenen Jahren etwas bewegt. So hätten andere die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn oder nach Einführung von Euro-Bonds übernommen. Aber es sei bei Diskussionen geblieben.

"Wenn man sich für längere Zeit etwas aufbürdet, dann muss man auch ein greifbares Ziel haben." Das sei für ihn in weite Ferne gerückt. Trotzdem hegt der 69-Jährige nach eigenem Bekunden keinen Groll: "Wenn ich auf meine Arbeit zurückblicke, kann ich mich nicht beklagen." Lafontaine gehört zu den bekanntesten deutschen Politikern. Er war unter anderem Ministerpräsident des Saarlands (1985 bis 1989), SPD-Bundeschef (1995 bis 1998) und Bundesfinanzminister (ab 1998). Doch sein eigener Kopf und sein Beharren auf persönlichen Ansichten ließen ihn immer wieder anecken.

Nachdem er sich mit dem damaligen SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder überworfen hatte, trat er 1999 kurzerhand von seinen Ämtern zurück und aus der SPD aus und gründete schließlich 2007 die Linke mit.

Jetzt will Lafontaine offenbar nur noch als eine Art "Elder Statesman" agieren. Inhaltliche und programmatische Arbeit für die Linken könne er sich gut vorstellen - wenn es nicht zu viel Zeit koste. Eine Funktion will er aber außerhalb des Saarlandes nicht mehr: "Für die Linken habe ich sicher meinen Beitrag geleistet." Insgesamt viermal sei er deren Spitzenkandidat bei Bundes- und Landtagswahlen gewesen.

Einige West-Abgeordnete in der Bundestagsfraktion können der Absage von Oskar Lafontaine auch Gutes abgewinnen. Jene könne auch im Interesse Lafontaines selbst liegen. Denn der 69-Jährige versucht, seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht an die Spitze der Bundestagsfraktion zu befördern. Etliche ostdeutsche Genossen hätten ihren Widerstand gegen die einstige Vorreiterin der West-Fundis aufgegeben, heißt es aus Fraktionskreisen in Berlin. Wenn Wagenknecht und Lafontaine gemeinsam in den Bundestag eingezogen wären, hätte das die innerparteiliche Balance stören können, hieß es aus der Fraktion.

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